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Unternehmensbewertung von KMU – Besonderheiten & Risiken

Die Unternehmensbewertung zählt zu den in der betriebswirtschaftlichen Theorie und Praxis stark und häufig kontrovers diskutierten Fachgebieten. Insbesondere in den letzten Jahren wandelten sich die Verfahren zur Durchführung der Bewertung aufgrund der Einflüsse aus dem angelsächsischen Raum zunehmend.

Gründe für die Bewertung von KMU

Die Bewertung eines Unternehmens kann dabei grundsätzlich aus verschiedensten Gründen erfolgen. Diese sind in der Praxis insbesondere der…

  • Kauf und Verkauf von Unternehmen
  • Ein- und Austritt von Gesellschaftern
  • Kapitalveränderungen
  • Entschädigungen und Abfindungen

Darüber hinaus gibt es Gründe, die aus vertraglichen Grundlagen oder gesetzlichen Vorschriften resultieren.

Einfluss des Bewertungsanlasses auf die Unternehmensbewertung

In der Unternehmensbewertung werden dabei je nach Bewertungsanlass objektivierte Unternehmenswerte und subjektive Entscheidungswerte differenziert. Während der objektive Unternehmenswert keine zusätzlichen Entwicklungsmöglichkeiten widerspiegelt, also das Unternehmen in seiner jetzigen Struktur darstellt, fließen beim subjektiven Entscheidungswert der zusätzliche individuelle Nutzen sowie die Synergieeffekte, die ein Investor in Zukunft von dem Unternehmen erwarten kann, mit in den Gesamtwert ein.

Bewertungsverfahren

Hierzu können grundsätzlich verschiedene Verfahren angewandt werden. Neben den fundamentalen und gesetzlich anerkannten Bewertungsverfahren werden zur Plausibilisierung der Ergebnisse zunehmend Multiplikatorenverfahren angewandt. Hierzu werden sowohl Multiplikatoren aus vergangenen, vergleichbaren Transaktionen (Comparable Transactions) oder vergleichbarer Unternehmen (Comparable Companies) herangezogen.he

Verfahren zur Bewertung von KMU
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Die fundamentalen Bewertungsverfahren beruhen dagegen auf den zukünftigen finanziellen Überschüssen. Kernproblem ist dabei die Prognose der finanziellen Überschüsse aus dem betriebsnotwendigen Vermögen. Sie erfordert eine umfangreiche Informationsbeschaffung und darauf aufbauende vergangenheits-, stichtags- und zukunftsorientierte Unternehmensanalysen, die durch Plausibilitätsüberlegungen zu überprüfen sind.

Für die Prognose der finanziellen Überschüsse sind grundsätzlich unternehmens- und marktorientierte, zukunftsbezogene Informationen erforderlich. Vergangenheits- und stichtagsbezogene Informationen sind nur insoweit von Bedeutung, als sie als Grundlage für die Schätzung künftiger Entwicklungen dienen können.

Mit Hilfe der Kapitalwertmethode wird der Barwert der zukünftigen Erträge bzw. Cash Flows zu einem bestimmten Zeitpunkt ermittelt. Die Herleitung des Kapitalisierungszinses erfolgt dabei durch das Capital Asset Pricing Model (CAPM).

µ i = r f + ( µ m – r f ) * β i

Das CAPM ermittelt den Kapitalisierungszins µ i aufgrund einer Grundlage eines risikolosen Basiszinssatzes r f , der um einen Risikozuschlag erhöht wird. Der Risikozuschlag setzt sich wiederum zusammen aus der Marktrisikoprämie gewichtet mit dem Beta Faktor β i , der das unternehmensspezifische Risiko des zu bewertenden Unternehmens darstellt. Bei der Anwendung des Bewertungsverfahrens kann Ihnen eine M&A Beratung helfen.

Im Rahmen der fundamentalen Bewertungsverfahren ist in der Regel das Verfahren der des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW) anzuwenden. Hierbei wurde das traditionelle Verfahren IDW S 1 durch die mit neuen Annahmen versehenen „Grundsätze zur Durchführung von Unternehmensbewertungen“ (IDW ES 1) ersetzt. Die wesentlichen Neuerungen sind dabei:

  • Da mit der Einführung des Halbeinkünfteverfahrens (vor 2000: körperschaftssteuerliches Anrechnungsverfahren) eine Vollausschüttung der Gewinne für die Anteilseigner oftmals steuerlich nicht vorteilhaft ist, ist zukünftig nicht mehr grundsätzlich von der Vollausschüttungshypothese auszugehen.
  • Als Ausgangsgröße bei der Ermittlung des Kapitalisierungszinssatzes ist künftig eine Alternativanlage in Unternehmensanteile, d.h. am Kapitalmarkt ermittelte Aktienrenditen, zu berücksichtigen. Zuvor wurde dagegen von festverzinslichen Wertpapieren ausgegangen.
  • Empfehlung der Anwendung des TAX-CAPM. Dieses Verfahren erweitert das Standard CAPM um die explizite Berücksichtigung der Wirkungen persönlicher Ertragssteuern. Dadurch kann die unterschiedliche Besteuerung von Zinseinkünften, Dividenden und Kursgewinnen realitätsnaher abgebildet werden.

Besonderheiten die bei der Bewertung von KMU zu beachten sind

Zwar wird im IDW ES 1 festgestellt, dass die Ermittlung von Unternehmenswerten unabhängig von Art und Größe des Unternehmens vorzunehmen ist, allerdings mit der Einschränkung, dass in Einzelfällen Besonderheiten zu beachten sein können. Dies gilt insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMU).

Hierbei sollten von Fall zu Fall folgende Besonderheiten der KMU berücksichtigt werden.

  • Typisch für KMU sind Risiken, die sich aus der Abhängigkeit von einigen wenigen bedeutenden Kunden und Lieferanten ergeben. Kleine und mittlere Unternehmen verfügen meist über eine deutlich weniger diversifizierte Produktpalette als branchengleiche Großunternehmen und beliefern häufig nur einen regional eng begrenzten Markt.
  • Ein weiteres Risiko stellt bei eigentümergeführten Unternehmen – vielfach bei KMU anzutreffen – die ausgeprägte Abhängigkeit des Unternehmenserfolgs von der Person des Eigentümers dar. Hierbei ist regelmäßig zu prüfen, ob ein gleichwertiger personeller Ersatz zu entsprechenden Konditionen und angemessener Zeit bereitgestellt werden kann.
  • Darüber hinaus ist aufgrund der in der Regel fehlenden Börsennotierung der KMU die Transparenz der entsprechenden Unternehmen nicht in dem Maße gegeben, so dass der Verkauf der Beteiligung mit wesentlich höherem Zeitaufwand und Transaktionskosten verbunden ist.

Somit können die Besonderheiten von KMU aus einer Gemengenlage verschiedener, voneinander unabhängiger Faktoren resultieren. Aufgrund dieser Risiken sind bei KMU regelmäßig Wertabschläge vorzunehmen. Allerdings kann mittels pauschaler Wertabschläge der speziellen Risikosituation nicht in nachvollziehbarer Weise Rechnung getragen werden. Die im angelsächsischen Raum verbreiteten „Small Company Discounts – i.d.R. 35%“ sollten daher nur mit Vorsicht angewendet werden.

Vielmehr sollten die Besonderheiten der KMU in jedem Einzelfall entsprechend der gegebenen Situation separat und transparent im Anschluss an die nach „Allgemeinen Grundsätzen“ durchgeführte Bewertung behandelt werden.

Fazit

Zusammenfassend ist zu erwähnen, dass die Neufassung des IDW ES 1 noch detailliertere Unternehmensbewertungen zulässt. Die zutreffende Berücksichtigung von KMU-spezifischen Besonderheiten, für deren Einbeziehung in die Unternehmensbewertung keine quantitativen Modelle bereitstehen, stellt für den Bewerber eine besondere Herausforderung dar. Letztlich kommt damit insbesondere bei der Bewertung kleiner und mittlerer Unternehmen der Erfahrung und Sachverstand des Gutachters eine entscheidende Bedeutung zu. Falls Sie vor einer solche Herausforderung stehen, nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf. Unser Team Corporate Finance ist auf die Bewertung und den Verkauf von KMU spezialisert – mehr Infos dazu finden Sie hier: M&A Beratung.