VORAUSGEHER IM PORTRAIT #1 | DIETMAR NOACK VON DER NOACK GMBH, IPHOFEN

Beratung 21. Februar 2019

Vorausgeher Dietmar Noack

Wir verspüren immer mehr den Wunsch, vorausgehen zu wollen als Unternehmen. Vorausgehen bedeutet für uns: nicht zu warten bis die Veränderungen unweigerlich vor der Haustüre stehen, sondern mutig neue Wege zu gehen, selbst aktiv zu werden um einen Beitrag für eine Welt zu leisten, die auch unseren Kindern Freude bereitet. Bewusst, eigenverantwortlich, nachhaltig, verbunden.

In unserem Umfeld gibt es bereits Vorausgeher – Menschen und Unternehmen, die Leuchttürme sind. Wir möchten diese in einer Interview-Reihe vorstellen. Hierzu sind Eva Kleinschmitt und Constanze Fries für WALTER FRIES unterwegs und besuchen diese bemerkenswerten Unternehmer. Einer von ihnen ist Dietmar Noack. Mit seinem Unternehmen, der Noack GmbH, produziert er Verpackungen aus Holz. Wir haben ihn in seinem Unternehmen in Iphofen getroffen und neugierig Fragen gestellt.

Die Noack GmbH wurde 2006 in Iphofen gegründet. Rund 40 Mitarbeiter sowie derzeit vier Auszubildende kümmern sich um die eingehenden Aufträge der Bau-, der Glas- und der Papierindustrie. Dazu kommen die Bereiche Maschinen- und Anlagenbau, die chemische Industrie, Automotive und Automobilindustrie. Noack stellt unter anderem Sonderpaletten, Kisten aus Vollholz und Holzwerkstoffen, Transportböden und Sonderverpackungen her. Die Vision ist es, den kompletten Prozess, inklusive der Logistikdienstleistung, national wie international abzuwickeln.

 

Ein Unternehmen kann nur wachsen, wenn es auch die Leute hat, die Lust haben es mit zu tragen.

 

Wenn es um Verpackung geht, hat man immer das Bild von viel Plastik vor Augen. Sie verwenden als Verpackungsmaterial den nachwachsenden Rohstoff Holz. Was passiert mit den Holzverpackungen nach Verwendung und wo spielen in Ihrem Unternehmen ökologische Aspekte darüber hinaus eine Rolle?

» Als Erstes versuchen wir unseren Rohstoff in mittelbarer Nähe zu beziehen, d.h. wir kaufen zu 90 % in Deutschland ein und davon ca. 70% hier bei uns im Umkreis von bis zu 120 km. Bestimmte Rohstoffversorgungen, wie z.B. die Buche, müssen wir aus Nordrhein-Westfalen beziehen. Bei exotischen Sorten müssen wir auch auf Holz aus Europa zurückgreifen. Das wollen wir nicht, jedoch sind sie in Deutschland nicht verfügbar.

Bei der Abwicklung haben wir den Vorteil, dass wir aus der Zeit des Sägewerks, einen Hacker, der das Material zerkleinert, besitzen. Damit können wir die Holzwerkstoffindustrie mit Holzresten beliefern. Wir nehmen unbehandelte Ware A1 von unseren Kunden zurück, das wir entweder wieder für Verpackungen verwenden oder zerkleinert weiterführen. Wir sind leider verpflichtet bei der Verpackung auch Material zu verwenden, die nicht aus Holz sind. Das sind u.a. Kunststoffprodukte, welche die Ware unserer Kunden gut schützt. Wir versuchen davon wenig zu verwenden und bevorzugen Material, dass recycelbar ist. Das gelingt uns nicht immer, was uns auch ärgert.

Aus Holzverpackungen die ins Ausland, z.B. nach Brasilien oder Afrika geliefert werden, werden vor Ort neue Häuser gebaut. In anderen Ländern bleibt das Holz nicht immer vor Ort. Wir haben mit Kunden, die eigene Container haben, ein Management aufgebaut. Dabei werden Transportböden gesammelt und wieder zurückgeführt. In unseren Angeboten schreiben wir auch, dass wir die Ware bei Bedarf zurücknehmen und weiterverarbeiten.

Wir heizen hier am Standort mit Holz. Wir haben vor Jahren unsere Dieselstapler auf Gas umgestellt und dieses Jahr einen Elektrostapler im Einsatz. Leider können wir noch nicht unsere Fahrzeuge auf Elektro umstellen, da wir unseren Kunden die Reichweite sonst nicht bieten können. Bei Anschaffung neuer Fahrzeuge achten wir, dass die neuesten Normen (Abgaswerte) eingehalten werden. Erneuerbare Energie möchten wir in den nächsten Jahren angehen, um eines Tages autark arbeiten zu können.

Die Noack GmbH ist ein Industriebetrieb? Wie hat sich in den letzten Jahren das Berufsbild bei Ihnen verändert?

» Das eigentliche Berufsbild ist der Holzmechaniker mit der Fachrichtung Bauelemente. Da wir auch immer Konstruktionen haben, die sehr aufwändig sind und spezielles Wissen erfordern, benötigen wir zusätzlich Schreiner und Zimmerleute.

Die Entwicklung unserer Personalstruktur zeigt, dass die Anzahl von ungelernten Mitarbeitern abnimmt. Die Ausbildung wird immer wichtiger. Gründe sind die Sensibilität der Kunden und die zunehmenden Anforderungen an das Produkt. Früher gab es noch eine Toleranz beim Maß, was heute nicht mehr möglich ist, da Paletten z.B. durch Lichtschranken geschickt und automatisch befüllt werden. Wir müssen exakter herstellen mit unseren Schneidemaschinen und zusammenbauen. Da wir keine Serien, sondern individuelle Verpackungen mit geringer Auflage produzieren, haben wir eine große Investition in Maschinen gewagt, die eine schnelle Umstellzeit besitzen. Die Maschinen in der Produktion sowie auch im Zuschnitt werden bei uns künftig aus dem Büro gesteuert.

Digitalisierung findet auch in der Planung und in den Prozessen statt. Excel reichte nicht mehr aus. Daher haben wir letztes Jahr beschlossen ein Kapazitätsplanungstool zu integrieren, um unsere vielfältigen Produkte geordnet durchsteuern zu können. Diese Bereiche werden wir im Mai 2019 digitalisiert haben.«

In Deutschland herrscht Fachkräftemangel. Wie finden Sie Personal und was bieten Sie Ihren Mitarbeitern?

» Wir bilden seit Beginn der Noack GmbH aus. Ich bin ein Freund davon, dass Unternehmen selbst ausbilden und das Personal behalten. Wir bilden Holzmechaniker, technische Produktdesigner und Industriekauffrauen/-männer aus. Wir arbeiten mit dem Berufsförderwerk Nürnberg, hier mit der Zweigstelle Würzburg zusammen, um Umschulungen und Förderausbildungen anzubieten. Aktuell haben wir einen Umschüler. In der Regel übernehmen wir diese Mitarbeiter, wenn sie es möchten. Damit haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht.

Wir sind im HPE – Bundesverband Holzpackmittel, Paletten, Exportverpackung e.V. Mitglied und waren einer der ersten Ausbildungsbetriebe. Andere Betriebe haben jedoch schnell festgestellt, dass es Sinn ergibt, Personal auszubilden, das von Grund auf die Firmenphilosophie mitträgt.

Wir möchten gerne, dass sich unsere Mitarbeiter in ihren Bereichen weiterbilden, auch gerne über den Tellerrand hinaus. Wenn sich jemand weiterentwickeln möchte, wird er von uns gefördert. Darüber hinaus bieten wir ein Gesundheitsmanagement an und organisieren zweimal im Jahr eine Veranstaltung, z.B. über ein gesundes Frühstück oder Resilienz. Da unsere Mitarbeiter viel auf den Füßen unterwegs sind, bieten wir auch regelmäßig eine Fußpflege an. Wir organisieren auch ein schönes Sommerfest und eine Weihnachtsfeier. Zusätzlich fördern wir die Gemeinschaft durch gemeinsame Ausflüge.«

Sie streben eine selbstführende Organisation in Ihrem Unternehmen an. Was verstehen Sie unter selbstführende Organisation?

» Das ist eine sehr gute Frage. Die selbstführende Organisation möchte ich an dem Beispiel Orchester darstellen. Bei einem Musikorchester habe ich einen Dirigenten, ich habe viele Musiker, die in einzelnen Registern sitzen und eine Partitur. Die Partitur ist die Struktur des Unternehmens, die auch bei einer selbstführenden Organisation da sein muss.

 

Ohne Struktur lässt es sich nicht gemeinsam leben.

 

Der Dirigent ist der Unternehmer. Die Register sind die einzelnen Abteilungen und die Musiker sind die Mitarbeiter. Wenn ein Register mit mehreren Spielern besetzt ist, müssen sie aufeinander hören um gleichzeitig einen Ton anzuschlagen. So ist es auch bei den Mitarbeitern in einer Abteilung. Sie schauen aufeinander und besprechen miteinander wie sie es am besten machen.

Ein Dirigent gibt nie jedem den Einsatz. Er blickt auf das Ganze, gibt die Geschwindigkeit und die Lautstärke vor. Jeder weiß wann sein Einsatz ist. Wenn wir jetzt in dem Gefüge einen Spieler haben, der die falschen Töne trifft, dann wird das Publikum nicht länger zuhören. Es kann vorkommen, dass derjenige die Selbstführung oder das Musikstück nicht verstanden hat. Auch das gibt es in einer selbstführenden Organisation. Das sind Mitarbeiter, die das nicht leben können. Sie sind dafür nicht geeignet und brauchen engere Strukturen und Anweisungen. Auch das haben wir erlebt. Entweder wird die Stelle neu besetzt oder es regelt sich in der Struktur indem ein Spieler von woanders dort mitspielt.

Wenn sie immer gut spielen, dann spielen sie lange vor vielen Zuhörern. Das Orchester baut sich auf und es kommen neue Stimmen dazu. So ist es mit einem Unternehmen auch. Die Firma wächst und es kommen neue Abteilungen dazu.

2016 haben wir die selbstführende Organisation mit einem sehr schnellen Schritt eingeführt. Ich gebe zu, dass ich da ein wenig zu schnell war, was wiederum zu Unsicherheit geführt hat. Mitarbeiter, die ganz klar von der Arbeitsform und -tempo geführt worden sind, werden nicht mehr geführt, sondern entscheiden selbst wie und in welchem Tempo sie die Arbeit erledigen. Es finden keine Kontrollen statt, somit entscheiden sie selbst über die Qualität. Mitarbeiter geben Arbeiten an die nächste Institution weiter, diese verlässt sich auf den Vorgänger und so wird der ganze Prozess durchlaufen.«

Warum möchten Sie die NOACK GmbH zu einer selbstführenden Organisation entwickeln? Was ist Ihre Vision?

»Ich hatte das Glück 16 Jahre in einem Betrieb arbeiten zu können, in dem ich auch gelernt habe, wo ich sehr viele Freiheiten hatte. Ich konnte entscheiden wie sich meine Abteilung weiterentwickelt. Wir haben dort gute Projekte abgeschlossen. In meiner Entwicklung hat es mich sehr angespornt und es hat sicherlich auch dazu geführt, dass ich mir vorstellen konnte, ein eigenes Unternehmen zu haben.

 

Ich möchte, dass meine Mitarbeiter morgens aufstehen und sagen: „Ich habe heute Bock auf die Arbeit zu gehen!“

 

Ich behaupte, dass ein Betrieb geordneter und harmonischer verläuft, wenn sie Freiheiten geben anstatt enge Vorgaben und Druck zu geben und somit der Spaßfaktor verloren geht. Ich möchte keine Mitarbeiter, die keine Lust auf die Arbeit haben. Jeder Mensch sucht seinen Flow und wenn er dies zum Teil unter dem Tag bereits abdecken kann, dann ist er auch auf der Arbeit glücklich. Mehr kann man den Mitarbeitern nicht bieten.«

Eine selbstführende bzw. -organisierende Organisation greift sehr stark in die bestehenden Strukturen ein. Wie sind Ihre Erfahrungen auf diesem evolutionären Weg?

»Es war sehr interessant festzustellen, dass Widersacher sich am Ende leichter taten, es erfolgreich umzusetzen. Es gibt bei uns Mitarbeiter, die am Anfang skeptisch waren und jetzt ihre Abteilung sozusagen rocken, da müssen sie nichts tun. Besser geht’s nicht. Dann gab es aber auch Mitarbeiter, die von der neuen Organisationsform überzeugt waren, sich jedoch an den Schnittstellen verzettelten. Das Risiko liegt darin, dass ich zwar meine Abteilung gut organisiere, jedoch meine Schnittstellen vergessen. Wenn sie nicht kommunikative Mitarbeiter haben, ist es richtig schwere Arbeit diese Organisation umzusetzen.«

Was sind die einzelnen Schritte und was für Aufgaben übernehmen Sie als Geschäftsführer in dieser Organisationsform?

»Die Büromitarbeiter ziehen sich einmal im Jahr am Wochenende in einem Hotel zurück. Wir überlegen aktuell, ob wir nicht nächstes Jahr Mitarbeiter aus der Fertigung bei manchen Themen mithinzuziehen. Wir führen einen Jahresrückblick durch und halten fest, was uns gefallen, was uns weniger gut gefallen hat und was wir besser machen können. Dort wird auch unser 5-Jahresplan erstellt. Nicht nur wirtschaftliche Themen, sondern auch weiche Themen wie Philosophie werden darin berücksichtigt.

Das ist neben dem Vertrieb von Großprojekten meine Aufgabe im Unternehmen. Ich behalte den Überblick und achte darauf, dass wir unseren Weg beibehalten.

Einen Schritt zurückzugehen, habe ich beschlossen zum Schutze meiner Mitarbeiter. Durch schnelles Wachstum entstehen in der Organisation Löcher und die Mitarbeiter versuchen diese Löcher zu stopfen. Das kann zur Überforderung der Mitarbeiter führen. Das möchte ich nicht. Ich glaube, dass Mitarbeiter es bewusst oder unbewusst wahrnehmen und darauf warten, dass jemand sagt: “Stopp. Jetzt halten wir mal an.“

Wir haben uns die Strukturen in den einzelnen Bereichen angeschaut, neue Schnittstellen und die Strukturen angepasst und es zurück in die Organisation gegeben. Es läuft aktuell wieder sehr gut, wenn es sich in den nächsten sechs Wochen bewährt, sind wir wieder auf einem guten Kurs.«

Wie ist der Kontakt zu WALTER FRIES entstanden und was sind die Aufgaben von WALTER FRIES in Ihrem Unternehmen?

»Ich habe Claus Barthold auf einem Seminar kennengelernt. Wir beide haben gemeinsam in einem Team bei einer Ausarbeitung zusammengearbeitet. Mir hat seine Vorgehensweise sehr gut gefallen. Im Nachgang haben wir Kontakt gehalten und eines Tages bin ich mit dem Wunsch der Aufbereitung unserer Zahlen an ihn herangetreten. Wir erhalten nun monatlich eine Auswertung unserer Zahlen von der Firma WALTER FRIES. Wir betrachten den Soll-Ist-Vergleich, kontrollieren unsere Zielerreichung und passen gegebenenfalls an. Claus Barthold ist auch als Moderator und Ideengeber bei unserem jährlichen Meeting dabei. Auch bei der Akquise von neuen Unternehmen steht er uns als Berater zur Seite.«

Für uns sind Sie ein Vorausgeher, da bei Ihnen ökologisch nachhaltig agiert wird und Sie die selbstführende Organisation anstreben. Was können Sie zum Schluss dieses Interview unseren Lesern mitgeben, um sie zu motivieren auch ein Vorausgeher zu werden?

»Es gibt den schönen Satz: Es gibt nichts Beständigeres als die Unbeständigkeit bzw. den Wandel. So sehe ich es auch. Wir können nicht auf dem sitzen, was wir sind und was wir haben, sondern wir müssen uns bewegen. Das ist was ganz Wichtiges. Wenn ich mich betrachte: Ich bin jemand, der gerne Neues ausprobiert, der auch mal die Angst beiseiteschiebt und sich dabei auch mal eine „blutige Nase“ holt. Blutige Nasen hatte ich schon oft, aber die verheilen auch wieder. Von daher ist es nicht so schlimm. Darüber hinaus ist für mich eine Vision wichtig: Zu wissen was ich will und sich dies auch klar vorstellen zu können. Seinen Mitmenschen Vertrauen zu geben, auch wenn das Vertrauen in der Vergangenheit von anderen Menschen missbraucht wurde. Das ist kein Grund, um Vertrauen nicht weiterhin zu geben. Das sind so die Dinge, die ich mache und mich darüber freue, wenn Menschen, die auch so denken, in meinem Umfeld sind.«

Vielen Dank Herr Noack für das Interview.

 

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