BUSINESS INTELLIGENCE | TRENDS UND HERAUSFORDERUNGEN FÜR KMUS

Beratung 28. April 2017

Teil 1: Digitale Disruption und Dematerialisierung erreichen die KMUs – Business Ingelligence

Business Intelligence, Digitalisierung, Digitale Transformation, Mittelstand, Digitalisierung im Mittelstand, Industrie 4.0, Disruption

„Es scheint immer unmöglich, bis es getan ist“ (Nelson Mandela). Menschen haben sich schon seit jeher geirrt und oftmals nicht an den technologischen Wandel geglaubt. Eine dauerhafte Etablierung in der Breite wurde unter anderem bei Telefon, Fernseher, Computer und Internet angezweifelt. Als die ersten Personen 1896 das Auto sahen, höhnten sie: „Kauf Dir lieber ein Pferd“. Die einstimmige Meinung war, dass sich das Auto nicht wirtschaftlich produzieren lässt. Dennoch haben sich neuartige Technologien durchgesetzt und wurden aufgrund der gewonnenen Effizienz- und Produktivitätszuwächse zu einem Alltagsgegenstand.

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Die industriellen Wellen und digitale Disruption

In der Vergangenheit fanden drei industrielle Revolutionen statt, die das private Leben sowie die Berufswelt nachhaltig beeinflussten. Die erste industrielle Welle begann um 1800 mit der ersten Massenproduktion durch den flächendeckenden Einsatz von Maschinen. Die zweite industrielle Welle startete ca. 1870 mit der Einführung des Fließbandes. Dadurch konnte automatisiert und in Rekordzeit produziert werden. Ab ca. 1970 fand die dritte industrielle Welle durch den Einsatz von Mikroelektronik und programmierbaren Steuerungen statt. Aktuell befinden wir uns in der vierten industriellen Welle, der Digitalisierung früherer analoger Techniken. Industrie 4.0 lautet der Begriff für die Produktion im Zeitalter der digitalen Revolution. Damit wird die komplette Dematerialisierung bestehender Prozesse beschrieben: Jeder Gegenstand wird smart, vernetzt und bekommt eine neue digitale Interaktionsebene. Dies erfordert den Einsatz von Business Intelligence, um die extrem gestiegenen Datenmengen intelligent verarbeiten zu können.

Moore‘s Gesetz besagt, dass sich die Rechenleistung alle 2 Jahre verdoppelt. Dies scheint sich auch zukünftig fortzusetzen, möglicherweise mit verringerter Dynamik. Auf die Investitionskosten von einem US Dollar normiert, hat sich die Rechnerleistung pro Sekunde seit 1995 bis heute um den Faktor 109 erhöht. Die Rechenleistung eines Smartphones der aktuellen Generation ist um ein vielfaches höher als große Rechenzentren von Konzernen noch vor wenigen Jahren. Der Anstieg der Rechenleistung ist zusätzlich zu Big Data ein weiterer Treiber für Business Intelligence.

Internet of Things führt zur digitalen Vernetzung in der Cloud

Business Intelligence prägt die Automatisierung aller Unternehmensprozesse entlang der Wertschöpfungskette eines Unternehmens. Unter anderem werden Controlling, Berichtswesen und Planung sowie Markt- und Kundenanalyse revolutioniert. Die Unternehmensdaten (z.B. ERP) werden genutzt um unter verschiedenen Blickwinkeln die Situation des Unternehmens zu bewerten. Die Analyse erfolgt in einem sogenannten Data-Warehouse. Die Cloud sorgt hierbei für eine komplette digitale Vernetzung. Fachleute sprechen von horizontaler und vertikaler Vernetzung. Horizontal sind in einer smarten Fabrik Maschinen untereinander vernetzt. Vertikal verbunden sind die Maschinen beispielsweise mit den Lieferanten (z.B. Monitoring des Verschleißes, Ersatzteilbestellung).

Das Internet der Dinge, also die totale Vernetzung jeglichen Gegenstandes, wird dieses Zeitalter prägen. Die Menschen sollten sich damit vertraut machen, dass in Zukunft jeder Gegenstand eine eigene IP-Adresse und Internetverbindung besitzt. Dies wird so selbstverständlich wie heutzutage ein Stromanschluss sein. Künstliche Intelligenz spielt eine immer größer werdende Rolle. Bekannte Domänen der Menschen fallen nach und nach an die smarte Einheit aus Hard- und Software. Die Software analysiert die Daten und deren Muster, welche vom Menschen auf Grund der enormen Menge nur schwer zu erkennen sind. Der Mensch wiederum ist dann gefragt, wenn es um die Interpretation von Datenmustern und um die Verbindung digitaler sowie emotionaler Intelligenz geht. „Software eats the world“ bedeutet, wenn Roboter und Maschinen mit Hilfe ihrer Rechenleistung Menschen in denen bislang von ihnen beherrschten Spielen wie z.B. Schach und Go dominieren. Das automatisierte Steuern eines Fahrzeuges steht hierbei stellvertretend für einen massiven Umbruch innerhalb vieler Branchen.

Business Intelligence – Herausforderungen und Chancen für KMUs

Die Digitalisierung hat direkten Einfluss auf die Arbeitsabläufe. Sind Unternehmen in der Lage Big Data zu verarbeiten, können sie in Echtzeit ganze Produktionsabläufe über ihren digitalen Zwilling steuern. Die gesamte Wertschöpfungskette kann ohne Schnittstellenverluste und Datenbrüche über alle Kanäle hinweg durchlaufen und dabei über kurz oder lang verschlankt werden. Darüber hinaus kann die Rechenpower, die früher teuer eingekauft werden musste, nun via Cloud-Computing on Demand flexibel angemietet werden. Dies ermöglicht eine skalierbare Forschung und Entwicklung, die früher nur Großkonzernen vorbehalten war. Gerade für KMUs können sich neue Märkte erschließen, da Distanz heute keine Rolle mehr spielt und ein Waren- und Informationsaustausch global für jeden möglich ist.

Den Chancen stehen auch einige Herausforderungen und Risiken gegenüber. Oftmals sind fehlendes Wissen sowie unzureichende digitale IT-Kompetenz im Unternehmen die größten Herausforderungen. Des Weiteren sind hohe Investitionskosten in den digitalen Wandel und in neue Technologien sowie fehlende technische Standards Hemmnisse für die digitale Transformation. Investitionen in IT werden im Mittelstand immer wieder zugunsten der Substanzerhaltung in anderen Bereichen vernachlässigt, sind jedoch der Grundstein für weitere Innovationen. Risiken bestehen vor allem auch durch rechtliche Unsicherheiten, der IT-Sicherheit sowie dem Datenschutz. Wirtschaftskriminalität wird sich in Zukunft vor allem im Cyberspace abspielen. Der Wettbewerb am Markt nimmt zu, da Markteintrittsbarrieren sinken und Branchengrenzen verwischen. Quereinsteiger und Start-ups verdrängen etablierte Unternehmen die sich vor der Digitalisierung verschließen. Der Markteintritt gestaltet sich dank neuer Technologien viel leichter und ist mit weniger Startkapital möglich. Dabei darf nicht der Fehler gemacht werden hochinnovative Start-ups mit klassischen Kleinunternehmen zu verwechseln.

Das entscheidende Problem für Mittelständler ist oftmals das rasante Tempo der Digitalisierung. Dies verändert ebenso das Kundenverhalten, z.B. das Verhältnis zu klassischen Statussymbolen. Das Eigentum an einer Sache tritt zu Gunsten eines lösungsorientieren Nutzungskonzeptes in den Hintergrund (z.B. Carsharing). Dies wird ganze Wertschöpfungsketten, insbesondere in der Automobilindustrie, radikal verändern. Die Kapitalmärkte schauen hier weiter in die Zukunft und trauen Firmen wie Tesla, gemessen an der Marktkapitalisierung, bald mehr zu als etablierten Volumenherstellern.

Die digitale Transformation fordert innovative Geschäftsmodelle

Digitale Prozesse sind bei einigen KMUs heutzutage bereits vollintegriert. Eine effiziente Produktion mit kürzeren Rüstzeiten ist dadurch möglich. Die Unternehmen wechseln von festen Produktionslinien hin zu Produktionsinseln, die deutlich variabler arbeiten. Ob bei Maschinenbauern oder Autoherstellern, neben der Serienfertigung ist nun auch die automatisierte Einzelfertigung wirtschaftlich möglich. Die Individualität geht in Serie, mit der Vision „Losgröße 1“ zum Massenfertigungspreis. Der 3D-Druck wird hier ebenfalls eine prägende Rolle einnehmen.

Eine durchgängige Datenbasis ohne Schnittstellen sowie eine transparente Produktionsüberwachung in Echtzeit ist in der Zukunft der „single point of truth“ der Datenebene. Fertigung sowie Steuerung elektrischer Antriebe können durch Codes in eine Industrie-4.0-Umgebung eingebaut werden. Durch die jederzeitige Abrufmöglichkeit aller relevanten Daten kann in Echtzeit überprüft werden, wie weit die Produktion eines jeden Bauteiles vorangeschritten ist, und der Materialfluss virtuell und digital gesteuert werden. Wareneingang, Kalkulation, Produktion und Warenausgang sind vernetzt und fließen in eine Datenbasis ein. Das Prinzip der Rückkopplung der Daten wird das Qualitätsmanagement revolutionieren. Drohnen und Augmented Realtity-Brillen, sogenannte „wearables“, unterstützen Unternehmen bei Inventur sowie Reparatur- und Prüfprozessen. Dadurch können Kosten eingespart und die Ressourcenverschwendung drastisch reduziert werden. Ungelernte Arbeiter können mit Hilfestellung von künstlicher Intelligenz (z.B. Wartungsarbeiten an Motoren) viel schneller als bisher in bestehende Strukturen eingebunden werden. Der Mittelstand strotzt vor Kraft, jedoch fehlt es mitunter am Gründergeist um neue Geschäftsmodelle konsequent hochzuziehen. Dies ist insofern bedauerlich, als dass wir in der Gründerzeit im 19. Jahrhundert über die Start-ups in den Hinterhöfen verfügten, noch bevor im Silicon Valley auch nur eine Garage stand. Heute stehen die USA als Leitkultur für die Technologien von morgen.

Im Wettrennen um die Industrie 4.0, sind Plattformen die entscheidenden Bausteine und die Grundlage neuer digitaler Geschäftsmodelle. Die aktuelle industrielle Revolution wird mit einem gravierenden Wandel und der größten Umverteilung von Macht und Einkommen einhergehen. Das Rad wird sich hier nicht zurückdrehen lassen. Es wird Gewinner und Verlierer geben, was sowohl Gesellschaft als auch Politik aushalten und ausgleichen müssen. Deutschland sollte als Vorreiter die Standards der Digitalisierung mitprägen, um international die Regeln mitgestalten zu können.

Digitalisierung revolutioniert die Arbeitswelt: Mensch als Auslaufmodell?

Menschen machen Produkte für Menschen – zumindest jetzt noch! In der modernen Fabrik produzieren Roboter mit Mitarbeitern Hand in Hand und verdrängen diese sogar. Werkshallen werden nicht mehr durch Arbeiter bestimmt, vielmehr erledigen Roboter, mit Hilfe derer Algorithmen, die standardisierten Jobs schneller und besser, wodurch diese nach und nach verschwinden. Dies bedingt die Etablierung neuer Arbeitsmodelle. Hierzu zählt auch eine neue Betrachtung der Produktionsfaktoren Arbeit, IT und Wissen. Wie der Produktionsfaktor Arbeit in Zukunft definiert wird, ändert sich durch künstliche Intelligenz, Automatisierung und Robotik nachhaltig. Die Herausforderung ist es, den Mitarbeitern Kompetenzen zu vermitteln, die sie für ihren neuen Arbeitsplatz benötigen. Digitalisierung ist kein Trend mit nachlassender Wirkung. Er wird die Arbeitswelt, das Aufgabenspektrum sowie das Verhältnis Mensch zu Maschine komplett revolutionieren. Daten sind dabei das Gold des 21. Jahrhunderts, in der Nutzung dieser liegt die digitale Zukunft. Die eigentliche Revolution von Industrie 4.0 liegt in der Intelligenz, mit welcher die Daten ausgewertet werden. Mit einer ausreichend großen Datenbasis wird eine Vorhersage dank intelligenter Algorithmen erleichtert (Predictive Analytics). Mit Big Data und Business Intelligence lassen sich innovative Geschäftsmodelle aufbauen, Daten vernetzen und mit anderen Quellen aufbereiten sowie neu anbieten.

Das Unternehmertum unterliegt einem großen Wandlungsprozess im Zeitalter der digitalen Transformation. Die Ansprüche an ein modernes und leistungsfähiges Steuerungssystem sind enorm. Mensch und Maschine müssen hier Hand in Hand arbeiten. Nicht nur große Unternehmen und Konzerne, sondern gerade auch die KMUs unterliegen einem digitalen Veränderungsprozess. Die stetig wachsende Datenmenge erfordert Business Intelligence im Unternehmen, um die enorme Datenflut zu erfassen und intelligent verarbeiten zu können.

Unternehmenssteuerung 4.0 und die digitale, integrierte Planung in Echtzeit sind auch für Beratungen Herausforderungen in der Zukunft. Welche Rolle Erfahrung und Know-how spielen und wie die WALTER FRIES Unternehmensberatung mit Hilfe von Business Intelligence Unternehmen unterstützen kann, wird in Teil 2 dargestellt.

Die Autoren

Mario Rüdel ist IT-Pionier der ersten Stunde und Dipl. Betriebswirt (FH). Mit über 20 Jahren Beratungserfahrung hat er alle wesentlichen Meilensteine in der IT-Welt aus seinem Consulting-Ansatz heraus beobachtet.

Armin Ambrosi ist ein junger IT-affiner Unternehmensberater und Betriebswirt (Master of Science). Aus ihrer gemeinsamen Sicht ist eine vernünftige ganzheitliche Unternehmenssteuerungslösung nur dann umsetzbar, wenn Mensch wie Maschine voll integriert sind.

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