IM GESPRÄCH MIT UNSEREN KUNDEN #09 | CANDYLABS GMBH, FRANKFURT

Beratung 15. September 2016

candylabs

 

Das Unternehmen candylabs GmbH wurde 2013 gemeinsam von Daniel Putsche und Moritz Heimsch in Frankfurt gegründet. Ursprünglich gestartet mit der Idee, möglichst hochwertige technische Produkte zu entwickeln, hat sich die Mission von candylabs über die Jahre stetig weiterentwickelt. Heute steht candylabs immer noch für hochwertige technische Produkte, jedoch gepaart mit Beratungs- und Startup-Kompetenz. Diese Kombination bildet die ideale Grundlage für einen erfolgreichen Digitalisierungsprozess.

Eva Kleinschmitt und Constanze Fries haben einen der Gründer, Daniel Putsche, in Frankfurt besucht und ihn u.a. zu seiner Gründungsgeschichte und zu der „Digitalen Transformation“ bei Konzern und Mittelstand befragt.

Wie ist die Idee zum Unternehmen entstanden? Was war die Vision?

»Moritz und ich hatten bereits zuvor in einem Unternehmen, welches ich mitgegründet hatte, zusammengearbeitet. Wir haben schnell festgestellt, dass wir mit der Idee zu candylabs wesentlich mehr am Markt bewegen können als mit der damaligen Firma. Und so ist die neue Firma entstanden. Ursprünglich lag unser Fokus auf „Wir entwickeln Software“, mittlerweile haben wir uns bestimmt dreimal um 180 Grad gedreht. Heute sind wir insbesondere im Bereich Produkt- und Geschäftsmodellinnovation aktiv. Unsere Projekte teilen sich derweil ausgewogen in einen Beratungs- und Softwareanteil. Wir haben festgestellt, dass sich beide Bereiche ideal gegenseitig befruchten und besser gemeinsam als voneinander losgelöst funktionieren.«

Was ist euer Produkt?

»Wir sind serviceorientiert, d.h. unser Produkt sind in erster Linie unsere Mitarbeiter und deren Know-how, kombiniert mit Methoden und Prozessen. Wir arbeiten sehr stark nach Lean-Startup, d.h. wir versuchen kundennah zu entwickeln, möglichst früh in den Markt zu gehen, Kundenfeedback möglichst zeitnah abzugreifen und die gewonnenen Daten zu evaluieren. So finden wir heraus, ob die zuvor erarbeiteten Hypothesen richtig oder falsch waren und welche Produkte für die Zielgruppe unserer Auftraggeber funktionieren. Dieser Ansatz steht dem üblichen Produktentwicklungsprozess über mehrere Jahre entgegen und ist unserer Meinung nach der bessere Treiber für Innovation.
Manche unserer Kunden brauchen aber auch nur eine technologische Lösung, die sie durch uns entwickeln lassen. Andere kommen auf uns zu, weil sie ein Strukturproblem, wie z.B. einen fehlenden Zugriff auf Innovation im Markt, haben. Hier betrachten und analysieren wir Lösungen, die für unseren Kunden in Frage kommen könnten.«

Wie war euer Weg, bis heute?

»Wir haben uns 2013 gegründet und im Februar 2014 mit WALTER FRIES eine Wachstumsfinanzierung eingeworben. Diese Kapitalakquisition war definitiv ein Meilenstein, da sie die Grundlage für unser Wachstum ist. Wir hatten natürlich auch Meilensteine auf Projektebene. Das waren beispielsweise verschiedene Kunden, die wir zu unserem Kundenportfolio addieren konnten. Erwähnenswert wären hier sicher die Deutsche Bank, Miles & More, die Deutsche Bahn oder auch Fraport. Mittlerweile sind es viele große Konzerne, die auf unsere Kompetenzen im Bereich Innovation vertrauen.

Zurückblickend war unsere allererste Case Study, die wir im Juli 2014 durchgeführt haben, ein weiterer wichtiger Meilenstein. Im Mittelpunkt stand eine neue Technologie – kurz iBeacons. Dabei handelt es sich im Prinzip um ein einfaches Bluetooth-Signal, welches von einem kleinen Sender ausgestrahlt wird. Mit Hilfe eines Smartphones und der richtigen mobilen Applikation (App) kann ein Nutzer das Signal empfangen und so mit seiner Umgebung interagieren. Wir haben zu diesem Thema eine Case Study gebaut, die einzigartig war und weltweit durch die Presse ging. Das war bis dahin unser größtes Momentum mit candylabs. Unsere Marktwahrnehmung wurde deutlich verbessert, wir konnten neue Kunden gewinnen und unsere Marke aufbauen. Heute, nach drei Jahren, wissen die Meisten mit denen wir sprechen, dass es uns gibt und was wir machen. Das ist für uns sehr wertvoll.«

Was sind eure Alleinstellungsmerkmale?

»Wir haben eine spezielle Positionierung am Markt. Dazu muss man zuerst verstehen was wir nicht sind: Wir sind weder eine klassische Agentur, die Kommunikation kreiert, noch ein typisches Startup mit Spezialisierung auf ein einzelnes Produkt. Wir positionieren uns vielmehr zwischen Agentur, Startup und Beratung. D.h. wir kombinieren unsere Expertise im Bereich Digitalisierung, mit der Anwendung von Startup-Methoden in komplexen Strukturen und mit unternehmerischem Denken und Handeln. Diese Art von Positionierung sehen wir sehr selten in Deutschland.«

Gibt es Auszeichnungen?

»Ja, im Juli 2016 haben wir den ersten Platz beim WALTER FRIES Kicker Cup gemacht. 🙂

Davon abgesehen gibt es noch keine Auszeichnungen, das Thema Stand bislang einfach noch nicht auf unserer Agenda.«

Gerade in der digitalen Arbeitswelt steht Lab für innovative Forschungs- und Kreativitätsräume. Wie läuft der Prozess in eurem Lab ab?

»Ich finde „Lab“ ist immer ein schwieriges Wort, weil es sehr breit ist und es verschiedene Arten gibt ein Lab zu führen oder zu bauen. Wir versuchen die Kultur im Unternehmen so zu gestalten, dass unsere Mitarbeiter ermuntert und aufgefordert werden, sich mit neuen Themen zu beschäftigen. Um dies zu ermöglichen ist das Management gefordert die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen. So entstehen neue Ideen mit neuen Technologien, die in einem Lab verortet werden können. Ein Beispiel wäre der Bau des ersten Facebook Messenger Bots (es ist ein Chat, wie jedoch die Bezeichnung ‚Bot’ schon verrät, steckt dahinter keine Person, sondern eine künstliche Intelligenz, ein Algorithmus).

Wir entwickeln zudem auch Dinge für die interne Verwendung. Ein Beispiel: Montagmorgens um halb zehn läuft bei uns automatisch Bob Marley mit „Get up, Stand up“. Dieses Lied beruft damit unser wöchentliches Stand-Up Planungsmeeting ein (mehr dazu). Freitags gibt es bei uns die Tradition, bei kühlen Getränken über Innovation zu sinnieren – dies kann von den Mitarbeitern durch einen einfachen Button auf Bluetooth-Technologie eingeläutet werden. Und so sind es verschiedene kleine Themen die zeigen, wie wir explorativ mit neuen Technologien umgehen. Dieses Selbstverständnis versuchen wir auch bei unseren Kunden zu implementieren. Die Art und Weise ist natürlich jeweils individuell und hängt stark von der vorhandenen Infrastruktur und der Kultur im Unternehmen ab.«

In der Presse ist „Digitale Transformation“ in aller Munde. Wie schätzt ihr aktuell die Digitalisierung vom deutschen Mittelstand ein? Wo und wie beginnt der Unternehmer in der Firma den Prozess?

»Der Mittelstand ist auf dem Weg zu der richtigen Erkenntnis, dass Digitalisierung ein wichtiges und zukunftweisendes Thema ist. Jedoch glaube ich, dass dem größeren Teil des Mittelstandes die Dringlichkeit der Identifikation von Handlungsbedarf oder gar der Implementierung neuer Lösungen noch nicht ausreichend bewusst ist. Es werden aktuell viele zukünftige Chancen vergeben, die erfolgreiche Unternehmen durch ihre Position am Markt heute noch einfach für sich besetzen könnten.

An welcher Stelle der typische Unternehmer oder Inhaber anfängt zu digitalisieren ist absolut unterschiedlich. Produzierende Unternehmen fangen z.B. mit dem Thema „Wie kann ich herausfinden, wann meine Maschine ausfällt“ an – das ist dann beispielsweise der Bereich Predictive Maintenance. Aber auch Personal- oder Prozessthemen können der Startschuss für Digitalisierungsmaßnahmen sein. Andere wiederum beginnen beim Produkt. Wie kann ein digitales Kundenerlebnis geschaffen werden? Wie können haptische Produkte digitalisiert und digital erweitert werden? Welche Komponenten, Stichwort „Internet of Things“, können dort miteinspielen? Welche Plattformen können geschaffen und wie Kunden langfristig gebunden werden? Wie man sieht, es gibt vielfältige Ansatzpunkte und Impulse für Mittelständler das eigene Geschäft digital aufzustellen und zu erweitern.«

Was treibt euch als Unternehmer an?

»Es gibt im Moment zwei Trends in der Startup-Welt. Die einen bauen, um möglichst schnell viel Geld zu generieren und die Firma zu verkaufen. Und die anderen bauen mit der Perspektive auf die Entwicklung einer langfristigen und nachhaltigen Struktur. Mein größter Antrieb ist es, dass wir gerade etwas bauen, das Potential hat über Jahre hinweg Bestand zu haben, einfach, weil das Thema so groß ist. Wir nehmen nicht nach und nach Venture Capital auf, sondern wir sind wachstumsfinanziert und seitdem profitabel mit organischem Wachstum.

Der zweite wesentliche Antriebspunkt ist generell etwas aufzubauen und für sich selbst zu arbeiten, gleichzeitig die passenden Menschen auf die Reise mitzunehmen und eine, dem eigenen Idealbild, entsprechende Arbeitsumgebung zu schaffen. Dazu kommt der fachlich inhaltliche Aspekt mit dem Wissen und der Kompetenz, die man insbesondere als Team hat, wirklich was bewegen zu können. Abschließend spielt in der Tat die eigene Vision zu implementieren eine signifikante Rolle. Wir arbeiten beispielsweise gerade daran unser Angebot zu erweitern und neben Produkt- auch Geschäftsmodellinnovationen als Servicebestandteil zu implementieren. Diese beiden Welten zu kombinieren sehen wir momentan als sehr herausfordernd jedoch nicht unlösbar an. Solche Ziele am Ende zu erreichen ist natürlich ein großer Antrieb.«

Ihr veranstaltet seit ein paar Jahren FuckUp Nights im Raum Frankfurt. Dort reden Unternehmer offen darüber, wie sie mit ihrer Idee bzw. Unternehmen gescheitert sind. Wie kam es zu dieser Idee?

»Auf die Idee eigene Events zu veranstalten kamen wir durch einen Zufall. Wir haben eine Beteiligung, die im Bereich „Business Matchmaking“, d.h. Leute können auf ein Event gehen und dort mit einer mobilen Applikation (App) mit anderen Teilnehmern des Events in Kontakt treten und sich vernetzen. Als das Produkt mit neuen Features weiterentwickelt wurde, mussten diese Features erprobt werden. Die Erprobung auf externen Events bedurfte schnell einiges an Aufwand zur Akquise der Partner und den einhergehenden rechtlichen Themen. So entstand die Idee eigene Events zu organisieren, sozusagen unser eigenes Testszenario bauen, um in dieser Umgebung zu sehen wie die Teilnehmer mit unseren Produkten umgehen. Zuerst haben wir das ‚Product Hunt Frankfurt’ ins Leben gerufen, welches üblicherweise einmal pro Jahr stattfindet. Dort können sich Startups treffen, um Investoren zu gewinnen (Pitch) und sich untereinander auszutauschen. Das Auditorium besteht aus Startups, Investoren und Interessierten. Einige Zeit später sind wir dann auf das Konzept der Fuckup Nights aufmerksam geworden und fanden die Idee als Kontrastprogramm zum Product Hunt sinnvoll. Entgegen dem Product Hunt ist die Fuckup Nights erst ganz am Ende des Lebenszyklus eines Startups allokiert, insofern dieses gescheitert ist. Die Fuckup Nights bietet eine einzigartige Plattform aus den Fehlern und Erkenntnissen anderer Unternehmer zu lernen.

Wir besetzen mit den Events also zwei wesentliche Lebensphasen eines Startups. Das führt über kurz oder lang zu schönen Synergieeffekten. Besonders spannend wird es, wenn Gründer, die auf dem einen Event ihr Produkt vorstellen, zu den üblichen 90 % aller Fälle gehören und irgendwann auf der nächsten Veranstaltung, nämlich der Fuckup Nights (Tickets), darüber berichten können, was sie alles falsch gemacht haben.

Wir haben also einerseits ein eigenes Umfeld für unser Produkt geschaffen, andererseits liegt uns der Umgang mit dem kulturellen Thema Scheitern am Herzen. Es muss möglich werden mehr darüber zu sprechen und offener damit umzugehen. Der Umgang mit dem Scheitern und die resultierenden Erfahrungen passen auch thematisch gut zu uns, weil wir Innovationen nach Lean-Startup forcieren. Das heißt für uns möglichst früh, mit einem möglichst kleinen Produkt an dem Markt zu gehen und das Kundenverhalten und Feedback zu beobachten. Durch sein Kauf- bzw. Nutzerverhalten hilft uns der Kunde herauszufinden welche Teile eines Produktes ihn begeistern und im Markt funktionieren und welche nicht. Die so gewonnenen Erkenntnisse werden dann kurzfristig in die nächste Produktversion integriert. Wird die Option zum Scheitern von vornherein ausgeschlossen und stigmatisiert, ist der Weg hin zu echter Innovation nahezu unbeschreitbar. Und so haben wir die Brücke von candylabs zu den Fuckup Nights. Von Firmen, die komplett scheitern, bis hin zu „Wie funktioniert eigentlich Innovation“.«

Was würdet ihr anderen Startup Unternehmern mitgeben wollen?

»Dass es niemals so kommt wie geplant. Was aber nicht heißt, dass man keine Planung haben sollte. Die Planung hilft am Anfang bei der Ausrichtung des Unternehmens, die jedoch bei 99,9 % nicht eintreffen wird. Auch unsere Planung ist nie eingetroffen. Aber sie hat uns geholfen, uns zu orientieren und festzustellen, ob wir gerade im Sollzustand sind oder nicht.

Davon abgesehen gibt es viele weitere Tipps, wie z.B. Ausdauer, die man benötigt. Es werden immer wieder neue Hürden auftauchen, diesen steht aber viel Positives gegenüber, vor allem die Erkenntnisse, die als Gründer gewonnen werden. Mit einer Gründung darf bzw. muss man plötzlich viele neue Themen sein Eigen nennen, werden viele Fehler gemacht, die auch ich mache und noch machen werde. All das sind jedoch Erfahrungen und wichtige Erkenntnisse aus denen man lernt und die einem die Möglichkeit geben den eigenen Horizont enorm schnell zu erweitern. Das Einzige, worauf jeder Gründer wirklich von Anfang an aufpassen sollte, ist niemals so sehr ins Risiko zu gehen, dass er privat in Schwierigkeiten gerät. Es ist wichtig auf der beruflichen Seite immer so zu kalkulieren, dass man selbst im Worst Case privat überleben kann. Diese Gradwanderung ist nicht immer leicht, aber extrem wichtig.«

Seit wann arbeitet ihr mit WALTER FRIES zusammen? Wie ist der Kontakt entstanden?

»Wir arbeiten seit August 2013 mit WALTER FRIES zusammen. Die gemeinsame Zeit haben wir genutzt, um schließlich im Februar 2014 die Wachstumsfinanzierung abzuschließen. Der Kontakt kam damals durch die Firma MapCase zu Stande, die ihrerseits ebenfalls Kunde von WALTER FRIES war. Sie haben uns WALTER FRIES als Sparrings-Partner für Finanzierung und Kapitalakquisition empfohlen.«

Was waren und sind heute noch die Aufgaben von WALTER FRIES in eurem Unternehmen?

»Es begann mit einer Bestandsaufnahme, die gezeigt hat wo wir herkamen und darüber hinaus auch wo wir hinwollten. Gefolgt von einer gemeinsamen Aggregation aller notwendigen Informationen plus der Überführung in eine Kalkulation, die möglichen Finanzierungspartnern überzeugte. Die notwendige generelle Expertise im Bereich der Kapitalakquisition hatten wir damals als Gründer definitiv noch nicht. Das sieht heute natürlich anders aus, war für uns zum damaligen Zeitpunkt aber ein sehr wertvolles Asset von WALTER FRIES. WALTER FRIES hat durch die Teilnahme an unseren Meetings und Gesprächen die notwendige Expertise ergänzt und wir konnten unsere Wachstumsfinanzierung letztendlich erfolgreich abschließen.«

Welche drei Wörter fallen euch spontan zu Walter Fries ein?

»Offen, ehrlich und authentisch.«

Vielen Dank Daniel, dass du dir die Zeit genommen hast.


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