Nachfolger gesucht? So gehen Sie vor

Jährlich stehen ca. 70.000 Firmeninhaber vor einer der schwierigsten Aufgaben: Die Übertragung ihres Lebenswerkes an den passenden Nachfolger. Dieser Schritt ist mit vielen Emotionen verbunden daher verschieben Unternehmer den Zeitpunkt gerne. Wer diesen Prozess jedoch nicht rechtzeitig einleitet, muss neben persönlichen Enttäuschungen mit erheblichen finanziellen Verlusten bis hin zur Gefährdung des Unternehmensfortbestandes und letztendlich den Arbeitsplatzverlust seiner Mitarbeiter rechnen. Darüber hinaus ist die Nachfolgeregelung ein Ratingfaktor bei Banken, d.h. ein vorhandener „Notfallplan“ versichert der Bank ein Weiterbestehen des Unternehmens. Dies stärkt die Position des Unternehmers bei der Kapitalbeschaffung.

Für die meisten Unternehmer ist der Nachfolgeprozess ein einmaliger. Für eine optimale Nachfolgegestaltung empfiehlt sich daher das Einbinden von M&A Beratern, Steuerberatern und Rechtsanwälten. Denn der Übernahmeprozess enthält sowohl für Abgeber als auch Übernehmer zahlreiche Hürden.

Der typische Nachfolgeprozess in drei Schritten und was dabei besonders zu beachten ist:

Nachfolger gesucht? Ablauf der Nachfolgersuche im Überblick

Erster Schritt: Vorbereitung

Notfallplan

Zwar erfolgt eine Unternehmensnachfolge meist altersbedingt und geplant, jedoch sollte jederzeit ein Notfallplan existieren. Denn wird das Unternehmen durch Krankheit, Unfall oder Tod führungslos, ist dessen Weiterbestehen ernsthaft gefährdet. Dies erleichtert nicht nur die Unternehmensplanung, sondern bringt auch Pluspunkte bei Lieferanten, Kunden, Geschäftspartnern und Kapitalgebern.

Thematische Auseinandersetzung

Im Falle einer planmäßigen Unternehmensübergabe sollten drei bis fünf Jahre Vorbereitungszeit eingeplant werden. Denn solch ein sensibles Thema benötigt Zeit. Zeit, die der Unternehmer zunächst für sich alleine oder mit seiner Familie benötigt um für diesen Schritt bereit zu sein. Schließlich geht es oftmals um nicht weniger als sein Lebenswerk.
Es empfiehlt sich Erwartungen und Ziele niederzuschreiben: Wie soll das Unternehmen strategisch weitergeführt werden? Welches persönliche und fachliche Profil sollte der Nachfolger erfüllen? Sollen alle Arbeitsplätze gesichert werden? Ist eine vorübergehende Beraterrolle erstrebenswert bzw. denkbar?

Suche nach der idealen Nachfolgelösung

Jedes Unternehmen ist einzigartig: Verfügt über individuelle Charakteristika und Voraussetzungen. Die Frage nach der perfekten Nachfolgelösung ist daher nicht allgemeingültig zu beantworten. Vielmehr ist eine individuelle Lösung auszuarbeiten.

Grundsätzlich werden interne und externe Nachfolgeoptionen unterschieden.

INTERNE UNTERNEHMENSNACHFOLGE

Familieninterne Nachfolge

Der Nachfolger stammt aus der eigenen Familie. In den meisten Fällen sind die Kinder oder Angehörigen bereits im Unternehmen beschäftigt. Dies erleichtert die Übergabe ungemein.

Management Buy Out

Von einem Management Buy Out (MBO) spricht man, wenn das bestehende Management die Mehrheit der Unternehmensanteile übernimmt.

FAZIT: Bei familien- und firmeninternen Nachfolgen ist der Nachfolger sowohl dem Chef als auch den Mitarbeitern ein bekanntes Gesicht. Auch dem Nachfolger ist die Firma vertraut, er oder sie kennt die Struktur und die Kollegen sehr gut. Aus diesem Wissen heraus erscheint die Entwicklung und Umsetzung neuer Ideen um Wachstumspotenziale auszuschöpfen sowie insgesamt eine erfolgreiche Fortführung des Unternehmens wahrscheinlicher.

EXTERNE UNTERNEHMENSNACHFOLGE

Management Buy In

Von Management Buy In (MBI) spricht man, wenn ein Unternehmen durch externes Management übernommen wird, sprich: Die Unternehmensführung wird ersetzt.

Trade Sale – Verkauf

Bei einem Trade Sale wird das Unternehmen an einen externen Investor verkauft. Diverse Käufergruppen sind zu unterscheiden: Strategische Investoren (Wettbewerber, Synergiepartner), Finanzinvestoren (Private Equity Gesellschaften, Venture Capital Gesellschaften) oder Family Offices.
Auch der sukzessive Anteilsverkauf ist eine Möglichkeit. Besonders bei Unternehmern, meist zwischen 50 und 60 Jahren, die noch mehrere Jahre im Unternehmen verbleiben möchten, ist dies eine beliebte Variante.

FAZIT: Viele Unternehmer streben eine Lösung durch Übergabe an eine „echte“ Person an. In der Hoffnung, dass die von ihnen aufgebaute Firma verlässlich weitergeführt wird. Der Einstieg eines Firmenfremden kann für das Unternehmen eine große Bereicherung darstellen. Frisches Denken, neue Wege und Lösungsansätze. Ein externer Unternehmer sieht auch Dinge, die man als Mitarbeiter gar nicht (mehr) wahrnimmt.

Anforderungen an den Nachfolger

Bei der Auswahl des Nachfolgers spielen neben der Qualifikation und Persönlichkeit auch kaufmännische und fachliche Kompetenz sowie finanzielle Möglichkeiten eine Rolle. Daher sollte der Übernahmekandidat ein klares Konzept vorlegen, das seine Vorstellung über die Zukunft des Unternehmens darstellt.

„Die Braut aufhübschen“

Das Unternehmen sollte vor der Übergabe „fit“ gemacht werden. Es wird auch gerne über „Die Braut aufhübschen“ gesprochen. Dies bezieht sich auf die Unternehmensstruktur und -finanzierung, die strategische Gestaltung sowie die Gestaltung eines tragfähigen Geschäftsmodells. Gerade am Anfang des Prozesses sind dies wichtige Punkte um einen geeigneten Nachfolger zu finden und einen adäquaten Verkaufserlös aus Sicht des Übergebers zu erzielen. Jedoch sollte hier strukturiert und nicht rationalisiert werden.

Zweiter Schritt: Umsetzung

Bestimmung des Unternehmenswerts

Die Bestimmung des Unternehmenswerts birgt häufig Konfliktpotenzial. Der Nachfolger strebt natürlich einen möglichst geringen Kaufpreis an. Dagegen überschätzt der Unternehmer oftmals den Unternehmenswert. Dies ist aufgrund der langjährigen Arbeitszeit und investiertem Herzblut natürlich nachvollziehbar.

Doch selbstverständlich bestimmt auch nicht allein der Substanzwert den Wert eines Unternehmens. Subjektive Wertvorstellungen wie Image, Kundenstamm, Produktpalette, Mitarbeiterqualifikation und Standortqualität spielen durchaus eine wesentliche Rolle. Ein allgemeingültiges Bewertungsverfahren gibt es daher nicht. Vielmehr existiert eine Reihe verschiedener Methoden, durch deren Anwendung eine Wertbandbreite ermittelt werden kann. So können in einigen Branchen die Transaktionspreise vergleichbarer Unternehmen herangezogen werden. Beim Ertragswertverfahren steht die zukünftige Ertragskraft des Unternehmens im Fokus. Dabei wird der Unternehmenswert durch Abzinsung der künftig zufließenden finanziellen Erträge ermittelt. Verwandte des Ertragswertverfahrens sind das Bewertungsverfahren nach dem AWH-Standard, welches die Besonderheiten kleiner und mittlerer Handwerksbetriebe berücksichtigt, sowie das Discounted-Cash-Flow-Verfahren. Letzteres ermittelt den Unternehmenswert anhand zukünftiger Zahlungsüberschüsse (Cash-Flows), die auf den heutigen Kapitalwert angezinst werden. Je nach Finanzierungsform des zu bewertenden Unternehmens sind wiederum verschiedene DCF-Methoden anzuwenden. Darüber hinaus kann auf Basis einer Anzahl von Vergleichsunternehmen (Peer Group) ein Multiplikator gebildet werden, der wiederum mit einer operationalen Maßzahl des zu bewertenden Unternehmens (meist EBITDA/EBIT bzw. Umsatz) multipliziert wird.

Die Auswahl der Bewertungsverfahren ist abhängig von Bewertungszweck, Unternehmensgröße sowie zugänglicher Daten. Doch auch dann wird „nur“ ein Wertrahmen geschaffen, der letztendliche Kaufpreis ergibt sich in Verhandlungen der beiden Parteien.

Haftungsrisiken

Ein nicht zu vernachlässigender Faktor bei der Unternehmensnachfolge ist die Regelung der Haftungsrisiken. Zu berücksichtigen ist unter anderem die Haftung für nicht eingezahlte Geschäftsanteile, betriebliche Steuerschulden, Löhne und Gehälter, Garantieleistungen gegenüber Altgläubigern und bei Übernahme der Firma. Aufgrund der Vielschichtigkeit von Haftungsrisiken sind diese in Abhängigkeit der Rechtsform des Unternehmens individuell zu bewerten und zu klären.

Strukturierte Suche nach dem passenden Nachfolger

Auf den Unternehmensbörsen www.nexxt-change.org und www.dub.de (Deutsche Unternehmensbörse, Handelsblatt) kann der Übergeber per Inserat nach einem passenden Nachfolger suchen. Darüber hinaus bieten Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern ebenfalls kostenlose Börsen an. Eine weitere Möglichkeit sind Inserate in Fachzeitschriften.
Jedoch lohnt sich die Suche auf diesen Plattformen eher bei kleinen Unternehmen. Für den Mittelstand empfiehlt sich das Hinzuziehen eines M&A Beraters, da der bereits weitreichend vernetzt ist und somit unmittelbar Kontakt zu möglichen Nachfolgern herstellen kann.

Erstellung eines Übernahmekonzepts

Ist ein potenzieller Investor ausgemacht, ist ein konkretes Übernahmekonzept zur Gewährleistung einer reibungslosen und effektiven Übernahme unabdingbar. Empfehlenswert ist eine kooperative Ausarbeitung des Fahrplans durch Unternehmer und Nachfolger. Gesprächsergebnisse sowie Vereinbarungen sollten schriftlich festgehalten werden um späteren Unklarheiten und Missverständnissen vorzubeugen.

Absichtserklärung

Ein Letter of Intent signalisiert die grundsätzliche Transaktionsbereitschaft und legt die Eckpunkte eines noch abzuschließenden Kaufvertrags fest. Zentrale Aspekte können beispielsweise Zeitpunkt und Anzahl von Managementgesprächen, Dauer und Umfang einer Due Diligence, Geheimhaltungsverpflichtung oder Exklusivität sein. Ein LoI ist allerdings rechtlich nicht bindend, sondern unterstreicht lediglich die ernsthaften Absichten.

Sorgfältige Prüfung

Vor dem Zustandekommen einer Transaktion möchte der potentielle Investor das Unternehmen natürlich auf Herz und Nieren prüfen (lassen). Diese so genannte Due Diligence gilt daher als kritische Phase. Darunter ist eine mit „gebotener Sorgfalt“ durchgeführte Risikoprüfung, die der Analyse von Stärken und Schwächen sowie der Risikoidentifikation dient, zu verstehen. Inhalt und Umfang der Due Diligence variieren individuell. Mögliche Bestandteile sind rechtliche Gesichtspunkte, steuerliche Aspekte, Finanzlage, Wettbewerbsposition, Human Resource, Umweltangelegenheiten usw. Durchgeführt wird die Due Diligence in der Regel mit der Unterstützung jeweiliger Fachleute wie Anwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Zur Prüfung wird ein virtueller Datenraum eingerichtet, der alle relevanten Unterlagen beinhaltet. Darüber hinaus finden in dieser Phase auch intensive Gespräche mit dem Management und Besichtigungen vor Ort statt. Die Ergebnisse werden in einem abschließenden Bericht festgehalten.

Abschließenden Verhandlungen

Im Grunde beginnen die Vertragsverhandlungen schon mit der ersten Kontaktaufnahme. Allerdings geht es nun mit den Erkenntnissen aus der Due Diligence in die heiße Phase um die Transaktion abzuschließen. Zentrale Punkte der finalen Kaufvertragsverhandlungen sind die Fixierung und Ausgestaltung des Kaufpreises sowie mögliche Garantien, Gewährleistungen und Wettbewerbsverbote. Begleitet werden diese in erster Linie von Rechtsanwälten und Steuerberatern.

Benachrichtigung aller betroffenen Parteien

Nach Abschluss der Verträge ist es an der Zeit die anderen betroffenen Parteien zu informieren. Ein Unternehmensverkauf löst schon bei Unternehmern Unsicherheiten aus. In besonderem Maße gilt dies oftmals für die Mitarbeiter, da deren Arbeitsplätze vom Erfolg der Übernahme abhängen. Daher stellt sich die Frage wie und wann Mitarbeiter informiert werden sollten. Während des Verkaufsprozess sollte ein möglichst geheimer Ablauf angestrebt werden. Nach Vertragsunterzeichnung ist es hingegen genauso wichtig dies den Mitarbeitern zeitnah, ehrlich und offen zu kommunizieren. Darüber hinaus sollte dies gleichermaßen professionell an Lieferanten, Geschäftspartnern und Kunden herangetragen werden.

Dritter Schritt: Übergabe des Unternehmens

Wie alle vorherigen Schritte bedarf letzten Endes auch die Unternehmensübergabe sorgfältiger Planung. Die gemeinsame Ausarbeitung eines konkreten Übernahmefahrplans schafft dahingehend Abhilfe. Dieser sollte zumindest Eintrittszeitpunkt des künftigen Unternehmers sowie Austrittszeitpunkt des Seniors und gegebenenfalls dessen zukünftige Rolle beinhalten. Die festgehaltenen Übernahmeschritte sollten außerdem mit Zeitangaben versehen werden.

Vertrauensaufbau

Eine Unternehmensnachfolge ist ein Gemeinschaftsprojekt. Selbstverständlich ist eine erfolgreiche Unternehmenszukunft primär von den Fähigkeiten des Nachfolgers abhängig, trotzdem tragen der Übergeber, Mitarbeiter und Geschäftspartner große Verantwortung um eine reibungslose Übernahme zu gewährleisten. Dies bedarf ausgeprägter Offenheit, Empathie und Kommunikationsfähigkeit aller Beteiligten, besonders des Übergebers und Nachfolgers. Nur so kann schnellstmöglich eine Vertrauensbasis aufgebaut werden. Unter gewissen Voraussetzungen kann auch eine Übergangsphase, in der der Senior dem Nachfolger in einer Beraterrolle zur Seite steht, förderlich sein.

Zeit loszulassen

Nicht zu unterschätzen ist die emotionale Komponente einer Unternehmensnachfolge. Auch wenn Betroffene rational die Notwendigkeit erkannt und in der Folge Vorbereitungen zur Übergabe getroffen haben, so fällt das Loslassen emotional doch schwer. Denn oftmals handelt es sich für den Unternehmer um nicht weniger als sein Lebenswerk, das er mit viel Mühe und Herzblut über Jahrzehnte aufgebaut hat. Für viele Übergeber hat das Unternehmen das Leben geprägt und verfügt über einen hohen Identifikationscharakter. Daher sollte ebenfalls schon frühzeitig über die Gestaltung der dann vorhandenen Freizeit nachgedacht werden: Welche Träume können nun erfüllt werden? Welche Aktivitäten mussten hintenangestellt werden? Gibt es reizvolle Ehrenämter? Ist eine erneute Selbständigkeit denkbar?

Die Organisation einer Unternehmensnachfolge ist ein langwieriger, steiniger Prozess. Viele Dinge sind zu bedenken, zu planen und zu beachten. Auch mit kleineren und größeren Rückschlägen ist zu rechnen. Doch mit adäquater Unterstützung steht in den meisten Fällen am Ende ein Ergebnis mit dem alle Beteiligten glücklich und zufrieden sind. Nach erfolgreicher Übergabe heißt es dann: Auf zu neuen Ufern!