INTERVIEW MIT CHRISTOPH BURKHARDT ÜBER DIGITALISIERUNG IM MITTELSTAND

Veranstaltungen 6. September 2017

Business Revolution Christoph Burkhardt

Hier ist unser erstes Interview zur BUSINESS REVOLUTION | Wie sich der Mittelstand digital transformiert mit Christoph Burkhardt, direkt aus dem Silicon Valley. Wir freuen uns sehr, dass er sich die Zeit genommen und uns einige Fragen beantwortet hat.

Wer noch keine Tickets für den 10. Oktober 2017 (9-13 Uhr!) hat, kann sie sich jetzt hier bestellen. Sichern Sie sich den Frühbucherpreis von 89,99 Euro pro Ticket, wenn Sie bis zum 15.09.2017 Ihr Ticket erwerben. Tickets können hier online erworben werden.

Was bedeutet für dich Digitalisierung?

»Digitalisierung bedeutet für mich insbesondere das, was man mit dem Digitalisierten am Ende des Tages anstellen kann. Es geht nicht um die Technologisierung unserer Welt oder die Vereinfachung von Prozessen. Es geht nicht darum, dass wir jetzt alle Smartphones benutzen und Nutzerverhalten auf Webseiten auslesen. Es geht schlicht um Zugang. Zugang zu Informationen, Daten und Wissen. Zugang für mehr Menschen, für Menschen an verschiedenen Orten gleichzeitig und Zugang zu anderen Menschen generell.

Ohne Digitalisierung bleiben wir in lokalen Silos, sind langsamer darin Erkenntnisse zu gewinnen und diese gezielt einzusetzen und wir sind in Gefahr wichtige Veränderungen an Märkten erst zu spät zu erkennen. So ist die Digitalisierung gleichzeitig Fluch und Segen. Sie macht alles zugänglicher, zwingt aber auch jedes Unternehmen und am Ende jeden Menschen den Zugang auch zu nutzen.«

Was sind die Chancen bei der Digitalen Transformation?

»Das entscheidende Wort ist nicht “digital”, sondern “Transformation”. Die Digitalisierung ist im Grunde durch, jetzt kommt die Transformation, die aus den Daten und Informationen Sinn generieren muss. Das bedeutet, dass wir uns von alten Wahrheiten trennen müssen, neue Glaubenssätze entwickeln und unsere Modelle von der Welt hinterfragen. Das ist oft nicht angenehm und definitiv nicht einfach.

Aber die große Chance in dieser Transformation ist die enorme Anpassungsfähigkeit und Flexibilität, die wir erreichen, wenn wir digitale Informationen richtig einsetzen. Nehmen Sie als Beispiel die Medizin: während ein Arzt Informationen über seine Patienten sammelt und diese eventuell irgendwann in einem wissenschaftlichen Journal veröffentlicht, können heute hunderte Ärzte weltweit mit geringem Aufwand am gleichen Datensatz arbeiten und so Erkenntnisse nicht nur weitaus schneller, sondern auch viel valider abbilden. Die große Chance besteht darin, dass wir Zugang zu Informationen haben, den wir vorher nie hatten. Die Herausforderung besteht in der Frage, wie man die digitalen Informationen einsetzt und welche Probleme wir mit ihr lösen wollen.«

Wo im Unternehmen sollte man beginnen? Wie sollte man vorgehen?

»Der Anfang ist der schwierigste Teil. Unternehmen müssen entscheiden, welche Fragen sie durch digitale Informationen beantworten wollen. In meiner Erfahrung gelingt das Unternehmen am besten, die vom Nutzer der Daten ausgehen und nicht von den Zielen des Unternehmens. Klar kann ich Kundendaten einsetzen um kurzfristig mehr Umsatz zu generieren. Klar kann ich Mitarbeiterdaten einsetzen um Top Performer zu identifizieren. Aber langfristig zählt nur, ob es mir gelingt mit dem Einsatz digitaler Technologien einen Mehrwert für meinen Endnutzer zu erzeugen. Macht gezielte Werbung die Nutzererfahrung besser? Ja, wenn sie dem Nutzer hilft schneller die richtige Entscheidung zu treffen, was er wirklich braucht. Nein, wenn der Nutzer Dinge kauft, die er nicht braucht. Unternehmen sollten deswegen unbedingt bei ihrem Zweck beginnen. Wozu existieren wir als Unternehmen? Welches Problem lösen wir? Und welchen Nutzen stiften wir bei unseren Kunden? Danach sollten wir fragen: Wie setzen wir Technologie ein um unseren Zweck noch besser zu erfüllen?«

Was sind die größten Hürden?

»Die größte Hürde ist die Angst vor Neuem und die Sorge, dass Experimente schiefgehen könnten. Auch wenn dieses Risiko tatsächlich besteht, sind wir geneigt es dramatisch zu überschätzen. Aus dieser Sorge heraus beschäftigen wir uns dann aber zu wenig mit dem, was da kommt. Stattdessen sagen wir Dinge wie “ja aber wer braucht das denn?” oder “ich muss da nicht mitmachen”. Auch wenn diese Aussagen berechtigt klingen, sind sie eigentlich Ausdruck eines Mangels an Wissen. Als der Buchdruck erfunden wurde, konnte kaum jemand lesen. Sie können sich vorstellen, was Menschen damals von Büchern hielten. Unsere Fragen sollten sich nicht damit beschäftigen, was ein neues Tool kann oder will, sondern wie wir es einsetzen können um unseren Teil der Welt ein Stück besser zu machen.«

Was könnte passieren, wenn sich der Mittelstand/Unternehmen nicht digital transformiert bzw. transformieren?

»Da es in der digitalen Transformation um Zugang geht, wird der Mittelstand Zugang zu Kunden, Märkten und fähigen Mitarbeitern verlieren. Gleichzeitig haben Unternehmen im Mittelstand wie kaum jemand sonst die Chance die Digitalisierung für sich zu nutzen.

Ein Beispiel: Wenn Sie als Autor für Ihr erstes Buch einen Verlag finden wollen, dann ist das ziemlich schwierig. Mein erstes Buch habe ich über Amazon selbst publiziert. Ich habe damit Zugang zu Millionen Lesern bekommen, die ich früher ohne einen Verlag nie erreicht hätte. Während die meisten Verlage die digitale Transformation verschlafen haben, haben es unbekannte Autoren weltweit zu Millionenauflagen geschafft, weil sie den Zugang zu Kunden genutzt haben, der durch neue Plattformen entstanden ist. Mein zweites Buch wurde übrigens gerade bei Springer publiziert, weil mein Erstes funktioniert hat.

Der Mittelstand hat durch die digitale Transformation die Chance vollkommen neue Zugänge zu Märkten, Kunden und Partnern zu nutzen. Wie bei Autoren noch vor ein paar Jahren, besteht die Frage ob sie den Mut haben diese Chance auch zu nutzen.«

Warum sollten die Unternehmer sich deinen Vortrag anhören?

»Ich will auf die Chancen und Gelegenheiten hinaus und nicht das gängige (und auch gar nicht korrekte) “Ihr müsst jetzt!”. Wir erleben einen Paradigmenwechsel und in dem gibt es immer Gewinner und Verlierer. Heute ist noch überhaupt nichts entschieden. Wir stehen am absoluten Anfang der digitalen Transformation und alle Türen stehen offen. Wir sollten nicht fragen, was wir digital alles einführen müssen, sondern was wir mit den großen Chancen anstellen wollen, die da direkt vor uns liegen.

Mein Vortrag soll neue Glaubenssätze etablieren, Denkgewohnheiten aufzeigen und tief sitzende Innovations-Mythen aufdecken. Nur so stellen sich Unternehmen von Anfang an richtig auf für das, was da auf uns zukommt.«

Was möchtest du dem Mittelstand auf ihrem Weg zur Digitalisierung mitgeben?

»Dies ist nicht die Zeit für Sorgen und Bedenken. Dies ist die Zeit für Neugier. Fragen Sie nicht, ob Technologie Ihnen nützt. Was immer Sie interessant finden, sollten Sie verfolgen. Fragen Sie zuerst, wie Sie beitragen wollen. Denken Sie groß und handeln Sie in kleinen Schritten. Innovation braucht Geduld und Durchhaltevermögen.«

Vielen Dank Christoph Burkhardt. Wir freuen uns Sie am 10. Oktober live auf der Bühne erleben zu dürfen.

 

Mehr über den Vortrag von Christoph Burkhardt und über das Event BUSINESS REVOLUTION können Sie hier aufrufen.

 

Über Christoph Burkhardt

“Deutschlands bester Innovationspsychologe” schreibt der Focus über Christoph Burkhardt. “Wahrscheinlich auch der Einzige” sagt der Innovationsexperte selbst.

Der Senkrechtstarter in Sachen Fortschritt lebt und arbeitet im Silicon Valley, in seiner Wahlheimat San Francisco und ist tagtäglich hautnah dabei, wenn Durchbruchsideen entstehen und die Welt erobern. Als Innovation Lead und Partner des Beratungsunternehmens Plot Inc. mit Sitz in Palo Alto bringt Christoph Burkhardt Innovationsstrategien zu Unternehmen weltweit, die verstanden haben, dass Innovation im 21. Jahrhundert zum Tagesgeschäft gehört.

Christoph Burkhardt gibt Impulse Probleme anders anzugehen, Ideen effektiver zu managen, bessere Entscheidungen zu treffen und Andere zu überzeugen. Zu seinen Klienten zählen neben internationalen Organisationen und Unternehmen auch zahlreiche Spitzenuniversitäten.

Erfahren Sie mehr auf www.christoph-burkhardt.com.


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