INTERVIEW MIT MARIO RÜDEL ÜBER DIGITALISIERUNG IM MITTELSTAND

Veranstaltungen 21. September 2017

Business Revolution Mario Rüdel

Hier ist unser drittes Interview zur BUSINESS REVOLUTION | Wie sich der Mittelstand digital transformiert mit Mario Rüdel von der WALTER FRIES Unternehmensberatung. Wir freuen uns sehr, dass er sich die Zeit genommen und uns einige Fragen beantwortet hat.

Wer noch keine Tickets für den 10. Oktober 2017 (9-13 Uhr!) hat, kann sie sich jetzt hier bestellen.

Was bedeutet für Sie Digitalisierung?

»Die Digitalisierung ist kein Hype oder nur ein Trend. Sie ist aus unserem modernen Leben nicht mehr wegzudenken.

Dabei ist sie ein Thema das uns spätestens seit den 90er-Jahren betrifft, seit der Zeit, in der das Internet aufkam. Und nun kommt die nächste Stufe: Wir digitalisieren die physikalische Welt (Stichwort IOT: Internet of Things). Dies wird begleitet von einer zunehmenden Reife der Lösungen. Das Markante daran ist, dass die Digitalisierung alle Bereiche, privat wie geschäftlich, auf den Kopf stellt. Das raffinierte ist die Vernetzung und die Geschwindigkeit, in welcher riesige Datenmengen verarbeitet werden können. Insiderschätzungen gehen von weit über 30 Mrd. miteinander kommunizierenden (End-)Geräten im Jahre 2020 aus.

Die Digitalisierung prägt bereits heute in hohem Maße die Art wie wir leben, kommunizieren, arbeiten, wirtschaften und konsumieren – und wird es künftig noch stärker tun. Der Wandel, in dem wir uns befinden, ist kein rein wirtschaftlich-technologischer, sondern ein gesamtgesellschaftlicher Prozess, der auch Fragen von Freiheit und Demokratie berührt. Und: Die Digitalisierung ist ein Querschnittsthema, das gerade in den Bereichen Wirtschaft, Arbeit und Verbraucherpolitik Schnittstellen bietet.

Sowohl unsere Freundschaftspflege und unsere private Kommunikation laufen mittlerweile verstärkt digital über WhatsApp, Facebook, Twitter, YouTube u.v.m. ab, ebenso wie unsere Einkäufe, egal ob Lebensmittel, Technik oder Kleidung. Eine (mobiloptimierte) Homepage und die Präsenz auf verschiedenen Social-Media-Kanälen sind für Unternehmen und Selbstständige heute Standard. Manchmal frage ich mich wie wir all dies vorher gemanagt haben. Auch im geschäftlichen Bereich treibt die Digitalisierung die Unternehmen an. Ein Umdenken der Führungsebene und der Drang zur digitalen Transformation ist stark spürbar. Es stellen sich völlig neue Herausforderungen an Führungskräfte, die plötzlich zum sogenannten digital leader werden sollen.

Auch die Arbeitsabläufe innerhalb von Unternehmen werden immer stärker digitalisiert. Bestenfalls werden Produktbestände oder Produktionsketten digital überwacht und mithilfe von Sensoren, Scannern und Codes verfolgt und kontrolliert. Bei all diesen Themen muss jedoch immer klar sein, dass die Digitalisierung der größte Umwälzungsprozess von Macht und Einkommen in der Menschheitsgeschichte ist. Die Digitalisierung führt aber auch dazu, dass sich unsere Arbeitswelt verändert. Einerseits wird die menschliche Arbeitskraft in vielen Bereichen unwichtiger, andererseits haben wir die Möglichkeit viel flexibler und ortsunabhängiger zu arbeiten. Alles was wir dazu brauchen, ist lediglich ein Internetanschluss mit genügend Bandbreite.«

Was sind die Chancen bei der Digitalen Transformation?

»Wir dürfen Digitalisierung in den Unternehmen nicht nur unter Kosten und Prozessoptimierungsgesichtspunkten sehen. Arbeitsabläufe werden innerhalb von Unternehmen immer stärker digitalisiert.

Das weit größere Potential liegt aber in der Entstehung neuer Geschäftsmodelle und Märkte. Dazu ein stark vereinfachtes Beispiel: Wenn bisher der Einkaufszettel von Hand geschrieben wurde, jetzt aber in einer Einkaufzettel-App die Liste in das Handy getippt wird, wird der Zettel digitalisiert. Das wäre der erste Schritt, jedoch könnte man aus den digitalisierten Daten wesentlich mehr machen. Bei dem Einkaufzettel-Beispiel könnten sich die Familienmitglieder miteinander vernetzen, damit keiner etwas doppelt kauft und dadurch Zeit gespart wird. Außerdem könnte die App mit dem Kühlschrank vernetzt sein und direkt anzeigen, welche Lebensmittel noch vorhanden sind und was wirklich gebraucht wird. Zusätzlich kann der Kühlschrank Vorschläge schicken, was aus den vorhandenen Lebensmitteln gekocht werden kann. Dieses Beispiel lässt sich vom Ansatz entsprechend auf jegliche Unternehmensprozesse übertragen.«

Wo im Unternehmen sollte man beginnen? Wie sollte man vorgehen?

»Gerade Mittelständler verfolgen eine konsequente Digitalisierungsstrategie noch selten. Um diese auszuarbeiten, fehlen sowohl die personellen Ressourcen als auch die fachliche Erfahrung. Daher lohnt es sich insbesondere für mittelständische Unternehmen, in kleinen Schritten vorzugehen. Abgrenzbare Bereiche, die sich vergleichsweise unkompliziert digitalisieren lassen und gleichzeitig einen spürbaren Nutzen davontragen, sind oft die dokumentenverarbeitenden Abteilungen. Akten und Papierstapel bestimmen hier noch den Arbeitsalltag. Die Administration dieser Papierdokumente ist besonders zeitraubend: Korrespondenzen müssen abgelegt, Kopien erstellt und Informationen weitergegeben werden. Die umständliche Suche und der komplizierte Austausch zwischen Abteilungen blockieren zentrale Ressourcen zusätzlich mit Routineaufgaben und erschweren die Arbeit unnötig. Insbesondere in der Digitalisierung der betriebswirtschaftlichen Fachbereiche (z.B. Unternehmenssteuerung/Unternehmensplanung) schlummern enorme Potentiale.«

Was sind die größten Hürden?

»Wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Wir lieben die Routine, da wir uns in ihr sicher fühlen. Dies ist evolutionär so bedingt, da Routine Sicherheit verspricht. Die Digitalisierung zwingt uns diese Komfortzone zu verlassen.

Die Digitalisierung in Unternehmen kann daher nur funktionieren, wenn alle Interessensgruppen an einem Strang ziehen. Aus diesem Grund sind die Geschäftsführer und neuerdings die CIO – als Koordinator des Digitalisierungsprozesses – in der Pflicht, allen Abteilungen den Mehrwert der bevorstehenden Änderungen vor Augen zu führen. Andernfalls kann es leicht passieren, dass die künftigen Anwender das Vorhaben als technische Spielerei oder gar als lästige Zusatzbelastung abtun, weil sie nicht erkennen wie sich ihr Arbeitsalltag durch die Umstellung verbessern wird. Aus meiner Sicht hat die Digitalisierung entscheidende showstopper: Die IT-Sicherheit und das Thema Datenschutz. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass hier z.B. durch blockchain und andere Technologie in den nächsten Jahren Mechanismen gefunden werden um die Daten sicherer zu machen.«

Was könnte passieren, wenn sich der Mittelstand/Unternehmen nicht digital transformiert bzw. transformieren?

»Eine in diesem Jahr veröffentlichte globale Studie des Marktforschungsinstituts IDC im Auftrag von SAP zeigt: Vier von fünf KMU sehen in der Digitalisierung Vorteile durch niedrigere Kosten, höhere Produktivität der Mitarbeiter und mehr Absatz. Wer nicht mitzieht, könnte irgendwann abgehängt werden. Der oft gelobte deutsche Mittelstand kommt dabei leider teilweise ganz besonders schlecht weg, wenn es um die Digitalisierung geht. Im Vergleich zu kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU) in sieben anderen europäischen Ländern mit zehn bis 249 Beschäftigten gaben deutsche Unternehmen besonders wenig für Innovationen aus. Aus den Daten von Eurostat geht hervor, dass nur KMU aus Großbritannien gemessen am Umsatz noch weniger in Forschung, Entwicklung und sonstige Innovationsthemen investieren.

Es droht eine digitale Spaltung zwischen KMU und Großunternehmen. Im internationalen Umfeld kommt der Druck nicht mehr nur aus den USA, sondern vermehrt auch aus Asien. Dort wird mit immensen Geldmitteln an der Künstliche Intelligenz der Zukunft geforscht, um in der Digitalisierung marktbeherrschend zu werden. Ohne ein schnelles Umdenken und entsprechenden Investitionen in die digitale Transformation, befinden wir uns buchstäblich in der Klemme.

Man muss es wie einen 10.000 m Lauf sehen. Wer zu spät startet, holt irgendwann den Vorsprung nicht mehr auf. Und: Digitalisierung ist eine Einstellungssache. Wie auch im Wettkampf entscheidet am Ende die innere Einstellung und Überzeugung.«

Warum sollten die Unternehmer Ihren Vortrag nicht verpassen?

»Ich versuche in meinem Vortrag die Menschen für die enorme Veränderung mit zunehmender Geschwindigkeit durch Digitalisierung zu sensibilisieren. Unser Gehirn spielt uns hier oft einen Streich. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und unterschätzt die Dynamik der Entwicklung in der Digitalisierung. Mein Vortrag greift daher die aktuellen Trends und Entwicklungen rund um die digitale Transformation von KMU auf und stellt besonders die Herausforderungen und neuen Potentiale im Controlling und der Beratung heraus. Insbesondere die Art und Weise der Unternehmenssteuerung und -planung wird sich in den nächsten Jahren noch deutlich verändern. Es war schon immer Traum und Wunsch des Menschen die Zukunft vorherzusagen. Mit zukünftigen Technologien und der immer besser werdenden Software kommt man dem Ziel tatsächlich ein bisschen näher.

Dabei sind die Ansprüche an ein modernes und leistungsfähiges Unternehmensteuerungssystem enorm. Es soll leistungsfähig, skalierbar und doch einfach bedienbar sein. Dies klingt wie die Quadratur des Kreises, aber hier tut sich sehr viel.

Business Intelligence heißt für WALTER FRIES: Prozesse verstehen, Basisdaten erfassen, analysieren und grafisch aufbereiten. Der Schlüssel für eine zielgerichtete BI-Umsetzung liegt in der einfachen Bedienung mit einer nahtlosen Integration sowie einer individuellen Anpassungsfähigkeit. Anhand eines Beispiels zeige ich auf, wie so etwas in der Praxis abläuft und wie wir solche Prozesse begleiten.«

Vielen Dank Mario Rüdel. Wir freuen uns Sie am 10. Oktober live auf der Bühne erleben zu dürfen.

 

Mehr über den Vortrag von Mario Rüdel und über das Event BUSINESS REVOLUTION können Sie hier aufrufen.

 

Über Mario Rüdel

Mario Rüdel ist IT-Pioneer der ersten Stunde und Betriebswirt mit über 20 Jahren Beratungserfahrung hat er alle wesentlichen Meilensteine in der IT-Welt aus seinem Consulting-Ansatz heraus beobachtet. Aus seiner Sicht ist eine vernünftige ganzheitliche Unternehmenssteuerungslösung nur dann umsetzbar, wenn Mensch wie Maschine voll integriert sind.

Über WALTER FRIES Unternehmensberatung

Die WALTER FRIES Unternehmensberatung weist eine langjährige Erfahrung in der Finanzplanung auf und hat alle Wellen und technologischen Veränderungen durchlaufen. Zahlreiche Best-Practice-Beispiele im Bereich der Unternehmens- und Finanzplanung in unterschiedlichen Branchen wurden erfolgreich implementiert. www.walterfries.de

 

 


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