ENTWICKLUNG DES PRIVATE-EQUITY-MARKTES IN DEUTSCHLAND

Corporate Finance 14. März 2017

Private-Equity in Deutschland

Der deutsche Private-Equity-Markt gehört zu den größten und bedeutsamsten nationalen Beteiligungsmärkten Europas. Er hat sich als solider Finanzierungsbestandteil in der deutschen Wirtschaft etabliert und bietet vor allem mittelständischen Unternehmen zusätzliche Wachstumschancen. Dieser große Erfolg war in Hinblick auf die nur etwas mehr als 50-jährige Geschichte dieses Marktes und seine zögerlichen ersten Schritte kaum abzusehen.

Die schwierigen Anfänge von Private Equity in Deutschland

Privatinvestoren und Privatbanken gründeten erste deutsche Beteiligungsgesellschaften im Jahr 1965. Aufgrund der fehlenden Branchenerfahrungen waren vielfältige Anfangsschwierigkeiten zu überwinden und etliche der einstigen Private-Equity-Pioniere spielen heute keine Rolle mehr.

Um das Beteiligungsgeschäft in Deutschland in Schwung zu bringen, wurde zu Beginn der 1970er Jahre das ERP-Beteiligungsprogramm ins Leben gerufen, das der Förderung von kleinen und mittelständischen Unternehmen dienen sollte. Aufgrund der damit verbundenen Beschränkungen war es jedoch uninteressant für privatwirtschaftliche Beteiligungsgesellschaften. Die zeitliche Begrenzung der Beteiligungen auf maximal zehn Jahre trug ebenfalls dazu bei, dass diese Maßnahme nicht von Erfolg gekrönt war. Bei der ersten wertmäßigen Erfassung im Jahr 1975 wies das Portfolio gerade einmal 367 Beteiligungen mit einem Gesamtvolumen von 214 Millionen Euro auf.

Nicht wesentlich erfolgreicher war die Deutsche Wagnisfinanzierungs-GmbH (WFG), die im selben Jahr durch das Bundesministerium für Wirtschaft (BMWi), das Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) und den Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) gegründet wurde. Beteiligt waren 27 Kreditinstitute, darunter alle Großbanken, die Mehrzahl der Landesbanken und renommierte Adressen wie Finck & Co, Merck oder Sal. Oppenheim Jr. & Cie. Das anfängliche Stammkapital der Gesellschaft betrug 10 Millionen DM. Der Staat förderte die WFG mit einer Risikobeteiligung bis zu einer Höchstgrenze von Millionen DM. Auch hier erwies sich die zu kurze Maximalbeteiligungsdauer als hinderlich. Von den 24,8 Millionen DM, mit denen sich die WFG bis 1980 an wagemutigen Firmen beteiligte, gingen 22,4 Millionen DM verloren.

Der Boom der 80er und 90er Jahre

Durch diese Misserfolge entwickelte sich Private Equity in Deutschland auch weiterhin zwar relativ stetig, aber sehr langsam. Ende der 70er Jahre betrug das investierte Kapital circa 560 Millionen DM. 1982 überschritt die Anzahl der Beteiligungsfälle die Tausender-Grenze. Die Gesamtinvestitionssumme lag zu diesem Zeitpunkt bei etwa 600 Millionen DM. 1988 wurde erstmals ein Portfolio von einer Milliarde DM erreicht. Der darauffolgende Boom, der insbesondere durch Investitionen in die Unternehmensexpansion (Later-Stage) getragen wurde, ließ das Portfolio innerhalb der nächsten fünf Jahre auf 2,5 Milliarden Euro ansteigen.

Ein erster erwähnenswerter Markt für außerbörsliches Beteiligungskapital etablierte sich in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre. Ein neuerlicher Boom ab 1996 verneunfachte das jährlich investierte Marktvolumen bis zur Jahrtausendwende auf circa 4,5 Milliarden Euro. Mit dem Platzen der New-Economy-Blase („Dotcom-Blase“) im März 2000 fiel der Markt allerdings in ein Tief. Insbesondere Venture-Capital-Neuengagements blieben aus und verloren in den nächsten Jahren immer weiter an Gewicht. Die Lage für Start-up- und Seed-Finanzierungen entspannte sich erst wieder mit der Auflegung des High-Tech-Gründerfonds (HTGF), dem aktivsten und größten Frühphaseninvestor Deutschlands, und des ERP-Startfonds durch die öffentliche Hand.

Zusätzlich gab es im Zuge der im Jahr 2001 einsetzenden Konsolidierung deutlich weniger Investitionen (2002 u. 2003 je rund 2,5 Milliarden Euro) und Verschiebungen in den Investitionsstrukturen. Ab 2001 wurde der Markt von Bye-out-Investitionen dominiert, die maßgeblich dazu beitrugen, dass das Investitionsvolumen im Jahr 2004 erstmals wieder auf über 3,8 Milliarden Euro anwuchs.

Der deutsche Private-Equity-Markt nach der Finanzkrise

Einen weiteren Dämpfer erhielt das Beteiligungsgeschäft in Deutschland durch die Wirtschafts- und Finanzkrise, die im Sommer des Jahres 2007 als US-Immobilienkrise begann und weltweit zu großen Verlusten und Insolvenzen bei Finanzunternehmen führte. Angesichts der fehlenden Liquidität und der schlechten Performance der Fonds versuchten viele Kapitalgeber, Engagements zurückzuziehen oder sich komplett aus der Anlageklasse zu verabschieden. Gleichzeitig standen Firmen, die vor Beginn der Krise von den Finanzinvestoren zu Höchstpreisen gekauft wurden, vor wachsenden Problemen aufgrund der Rezession und hoher Verschuldungsgrade.

Im Jahr 2009 fielen die Private-Equity-Investitionen um fast drei Viertel auf circa 2,7 Milliarden Euro. Der Markt erholte sich zwar wieder etwas, aber dennoch blieben die Investitionsraten auch im Jahr 2010 weit hinter dem Rekordniveau der Jahre 2007 und 2008 zurück. Einem raschen Anstieg des Transaktionsvolumens im Jahr 2011 folgte ein schneller Abstieg im Jahr 2012, in dem sich die Höhe der Investitionen auf dem Niveau von 2009 bewegte. Verantwortlich für diese Schwankungen ist vor allem der Einsatz riskanter Darlehen zur Kofinanzierung von Investitionen. Nicht ohne Grund werden diese sogenannten High-Yield-Kredite auch als „Schrottanleihen“ bezeichnet. Während des wirtschaftlichen Aufschwungs leicht verfügbar, verschwinden sie in Krisenzeiten nahezu vollständig. Daher zählt das außerbörsliche Eigenkapital zu den Bereichen des Finanzsystems, die besonders stark von makroökonomischen Rahmenbedingungen abhängen.

Das Comeback der Private-Equity-Branche

Im Jahr 2014 erlebte der Private-Equity-Markt weltweit sein lang ersehntes Revival. Nachdem im Jahr 2013 nur 37 Prozent der Fondsgesellschaften ihr Neugeschäft verstärken konnten, waren es ein Jahr später bereits 81 Prozent. Der Anteil der Gesellschaften, deren Neuinvestitionen rückläufig waren, sank von 29 auf zwei Prozent. Ein positives Fazit zogen insbesondere die deutschen Fondsgesellschaften, von denen 63 Prozent mit der Entwicklung im Jahr 2014 sehr zufrieden waren. Die Investitionen beliefen sich auf insgesamt 7,06 Milliarden Euro und verzeichneten damit einen Anstieg um 40 Prozent gegenüber 2013 und das höchste Investitionsvolumen seit 2008. Die Anzahl der finanzierten Unternehmen lag zu diesem Zeitpunkt bei circa 1.300.

2015 wurde das Rekordvolumen aus dem Vorjahr zwar um ein Viertel verfehlt, allerdings konnten die Beteiligungsgesellschaften ihre wichtige Finanzierungsfunktion mit Investition von 5,34 Milliarden Euro in rund 1.250 Firmen untermauern. Insbesondere Venture-Capital-Gesellschaften investierten so viel, wie seit dem Jahr 2008 nicht mehr. Einer der größten Deals im Jahr 2015 war der Verkauf der Parfümeriekette Douglas an CVC. Darüber hinaus gab es mit der Laborkette Synlab und dem Medizintechnikunternehmen Sivantos noch weitere bedeutsame Transaktionen.

Nachdem das erste Halbjahr des Jahres 2016 eher verhalten verlief, verzeichnete die deutsche Private-Equity-Branche in der zweiten Jahreshälfte einen regelrechten Boom. Laut einer Analyse des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY stieg die Anzahl der Zukäufe durch Finanzinvestoren im Vergleich zu den ersten sechs Monaten um 63 Prozent an. Der Wert der Transaktionen wuchs von 5,0 auf 15,8 Milliarden Euro und hat sich damit mehr als verdreifacht. Mit 171 Deals mit einem Gesamtwert von 20,8 Milliarden Euro war 2016 somit das stärkste Jahr für das außerbörsliche Eigenkapital in Deutschland seit 2007. Damals kauften die Gesellschafter hierzulande für 30,2 Milliarden Euro zu.

Deutlich über dem Vorjahresniveau lagen auch die Verkäufe deutscher Unternehmensbeteiligungen, sogenannter Exits. 2016 gab es insgesamt 106 Transaktionen im mit einem Wert von 19,7 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor waren es 91 Deals mit einem Gesamtwert von 16,9 Milliarden Euro. Damit haben die Finanzinvestoren auf dem deutschen Markt erstmals wieder mehr investiert, als sie über Beteiligungskäufe eingenommen haben.

Der größte Private-Equity-Deal im Jahr 2016 war der Verkauf des Immobilienunternehmens Officefirst an den Finanzinvestor Blackstone für 3,3 Milliarden Euro. Die zweitgrößte Transaktion war der Verkauf des Berliner Spezialchemieunternehmens Atotech, einer Tochter des französischen Ölkonzerns Total, an Carlyle für 2,9 Milliarden Euro. Hinzu kamen Megadeals wie der Kauf von Xella, der Bau- und Gebäudedienstleistungssparte von Bilfinger, der Airbussparte für Verteidigungselektronik sowie Acetow an verschiedene Finanzinvestoren.

Ein Blick in die Zukunft

Derzeit sind vor allem langlaufende Fonds auf dem Vormarsch. Die Branchenpioniere Blackstone, Carlyle und CVC treiben Kapital für Fonds ein, deren Lebensdauer die gewöhnlichen zehn bis zwölf Jahre übersteigt. Andere große internationale Largecap-Private-Equity-Gesellschaften und zahlreiche Midcap-Investoren überlegen Brancheninsidern zufolge ebenfalls die Auflage solcher Langläuferfonds. Der Grund hierfür sind zum einen fehlende Kaufgelegenheiten, wodurch Firmen von einem Gesellschafter zum nächsten wandern. Zum anderen besteht bei vielen großen institutionellen Investoren ein Interesse an längerfristigen Kapitalanlagen.

Einige der großen Finanzinvestoren bewegen sich schon längere Zeit auf einer tieferen Ebene und kaufen Firmen aus dem Mittelstand oder schnell wachsende kleine Tech-Unternehmen, wenn sich eine Gelegenheit bietet. Auch Midmarket-Investoren investieren zunehmend unterhalb ihrer angestammten Größenklasse. So hat sich die Deutsche Beteiligungs AG für ihren bereits existierenden Wachstums-Fonds von den Finanzinvestoren die Option einräumen lassen, nicht nur Minderheitsinvestments, sondern auch Mehrheitsübernahmen tätigen zu können.

Insgesamt ist festzustellen, dass noch nie so viel Kapital für Investitionen verfügbar war wie heute. Vor allem Familienunternehmen aus dem Mittelstand haben gute Chancen, Investoren zu gewinnen, die bereit sind, ihre weitere Expansion zu finanzieren. Darüber hinaus finden verkaufswillige Firmeninhaber in den Private-Equity-Gesellschaften Partner, die nicht nur großes Interesse an der Übernahme und dem Fortbestehen des Unternehmens haben, sondern auch Know-how mitbringen, das dem Wachstum des Unternehmens zugutekommt.

 

 


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