NACHBERICHT | 1. BAUTRÄGERFORUM ASCHAFFENBURG „STRATEGIE – MARKT – ZINS“

Immobilien 2. November 2016

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Der deutsche Immobilienmarkt boomt. Dabei spielt das Bauträgergeschäft eine große Rolle. Das geringe Zinsniveau und der anstehende Brexit begünstigen die Investitionen im Wohnungsbau. Dennoch sollten bei strategischen Überlegungen Markt- und Finanzierungsaspekte nicht außer Acht gelassen werden. Aus diesem Grund haben wir am 26.10.2016 die Bauträgerunternehmen in  Aschaffenburg und Umgebung zum Business Lunch in unseren Räumlichkeiten eingeladen. Wir freuen uns sehr, dass so viele Unternehmer Zeit gefunden haben daran teilzunehmen und diese Plattform zum Wissens- und Erfahrungsaustausch genutzt haben.

Unsere drei Experten Walter Fries, Prof. Dr. Paschedag (Hochschule Aschaffenburg) und Mario Rüdel haben über ihre Erfahrungen und die Besonderheiten im Zins- und Immobilienmarkt berichtet und praxisorientierte Handlungsempfehlungen aufgezeigt. Einige Impulse dieses Mittags haben wir zusammengefasst.

Walter Fries | Erfahrungen im Bauträgergeschäft

Nach einleitenden Begrüßungsworten ließ Herr Fries zunächst die wichtigsten Entwicklungen, Trends und Zyklen aus fast einem halben Jahrhundert Bauträgergeschichte in Deutschland Revue passieren. Während dieser Zeit nahm Walter Fries verschiedene Rollen am Immobilienmarkt ein und kennt die Herausforderungen des Geschäfts aus den Perspektiven der Bank, als Investor, Berater oder auch selbst als Bauträger.

Aus diesem reichhaltigen Erfahrungsschatz gab er eine Auswahl seiner wichtigsten Handlungsempfehlungen preis. Dazu zählen unter anderem der Aufbau einer strategischen Bauträgerbilanz unter Berücksichtigung der Eigenkapitalanforderungen sowie die Auslagerung von Restanten aus der Bilanz.

Solchen finanzwirtschaftlichen Fragestellungen kommen in einem Umfeld, welches geprägt von der Angst vor einer neuerlichen Immobilienblase immer neue (finanz-)politische Debatten und Maßnahmen zu Tage fördert, eine wachsende Bedeutung zu.

Prof. Dr. Holger Paschedag | Zwischen Brexit-Votum und Wohnimmobilienkreditrichtlinie – Wohin steuert der Immobilienmarkt Rhein-Main?

An diesen Punkt knüpfte Prof. Dr. Paschedag an. Der Professor für Immobilienmanagement und Finanzwesen an der Hochschule Aschaffenburg erläuterte am konkreten Fall der Wohnimmobilienkreditrichtlinie wie der Gesetzgeber das Bauträgergeschäft beeinflusst und welche Auswirkungen daraus erwachsen können. Mit dem Blick in die tagesaktuellen Printmedien macht Prof. Dr. Paschedag deutlich, dass über dieses Gesetz hinaus weitere Maßnahmen zu erwarten sind, welche das Potential haben die Finanzierungsfähigkeit der Bauträger deutlich einzuschränken.

Mit dem Brexit-Votum nahm sich Prof. Dr. Paschedag einer weiteren Thematik an, welche einen erheblichen Einfluss für das Bauträgergeschäft in der Region Rhein-Main darstellen kann. Sollte die Finanzmetropole Frankfurt es schaffen, die großen Banken und Finanzinstitute aus London anzulocken, wird der Effekt bis weit ins Frankfurter Umland spürbar sein und den Wohnungs- und Gewerbeimmobilienmarkt auch in Aschaffenburg positiv beeinflussen.

Mario Rüdel | Die Welt in der Zinsfalle – Die Notenbankpolitik und ihre Auswirkungen

Weniger optimistisch dagegen war der Ausblick unseres Zins-Experten Mario Rüdel, was sich bereits im gewählten Titel „Die Welt in der Zinsfalle“ niederschlug. In seinem Vortrag erläuterte Mario Rüdel die geldpolitischen Maßnahmen von Draghi, Yellen und Co. im Kontext der stagnierenden Wirtschaft und deren Auswirkungen auf ihre eigenen Bilanzen sowie die Zinsentwicklungen verschiedener Finanzierungsformen. Dieses Zinsumfeld, welches für den Bauträger zunächst als Wachstums-Lokomotive wahrgenommen wird, sorgt im dauerhaften Zusammenspiel mit weiteren Mitteln aus dem „Giftschrank“ der Notenbanken für ein instabiles Marktumfeld mit weitreichenden Risiken für eine Vielzahl von Marktteilnehmern und Geschäftsmodellen. Ein Ende der Marktmanipulationen und finanziellen Repressionen seitens der Notenbanken ist, so das unheilvolle Fazit, derzeit nicht in Sicht.

 


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