AUS DER REIHE JAHRESTHEMA „BEWUSSTSEIN“ | CONSTANZE FRIES

Beratung 30. Juli 2015

Globales Bewusstsein bedeutet, die Welt fühlen zu lernen

 

Wenn ich mich mit Menschen über die derzeitigen Krisen unterhalte oder auch Bilder auf Facebook poste, die die Grausamkeit und den Schatten zeigen, der zeitgleich hier auf dieser Erde stattfindet, dann bekomme ich immer wieder Kommentare wie: „Ich kann mir das nicht ansehen“, „Wieso zeigst Du das, damit unterstützt Du nur diejenigen, die uns Angst machen wollen“, „Das zieht mich runter“ usw.. Filme aus deutschen Schlachthöfen, Bildern von Tierversuchen, Flüchtingen die ihre im Meer verstorbenen Angehörigen betrauern, vom IS geköpfte Menschen, Berge von missbrauchten Frauenleichen, Leiden in allen Varianten.
All dies passiert täglich hier auf dieser Welt und es scheint in der westlichen Zivilisation eine gewisse Hilflosigkeit im Umgang damit vorhanden zu sein. Und in der Folge ein Wegsehen. Wobei es bei genauer Betrachtung eher ein Wegfühlen ist. Denn wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, lassen wir den Schrecken, der sich „da draußen“ abspielt, bewusst nicht rein. Wir wollen ihn nicht fühlen, weil wir Angst davor haben, ihn emotional nicht bewältigen zu können.

Das ist interessant und ich frage mich, wie viel Platz das Wegsehen und -fühlen in unserem Leben ausmacht. Oder kann es sein, dass dies bereits unser Normalzustand geworden ist und wir nur im Bedarfsfall offen sind? Und noch provokanter gefragt: Wie stark ist der Zusammenhang zwischen dem Zustand der Erde und unserer emotionalen Nichtverbundenheit?

Was wäre wenn wir beginnen wirklich zu fühlen, wie es dem Arbeiter in der Textilfabrik geht, der bis zur völligen Erschöpfung für einen Hungerlohn arbeitet, wenn wir die Todesangst der Flüchtlinge wirklich fühlen würden, das Leid und die Schmerzen der Tiere in den Mastbetrieben? Würden wir dann nicht schneller, beherzter, konsequenter handeln?
Doch wie können wir den Terror und das Leiden auf der Erde beenden, wenn wir nicht bereit sind, uns ihm zu stellen?

In unserer vom rationalen Denken geprägten Kultur galt es lange Zeit als Schwäche, Gefühle zu zeigen. Zum Glück ändert sich das gerade und wir beginnen eine Gesellschaft zu werden, die fühlen darf. Diese Fähigkeit brauchen wir als Menschen, es ist als müssten wir wieder das „Mensch sein“ lernen. Das kann keine Politik und keine Armee für uns erledigen, es liegt an jedem selbst.

Und wie erlernen wir diese Kompetenz im Umgang mit Emotionen?
An sich ist es sehr einfach: Gefühle wollen gefühlt werden. Emotionen, wie zum Beispiel „Angst vor Gewalt“, „Traurigkeit“ etc. wollen vollständig gefühlt werden. Wenn wir sie abschneiden, wegdrücken oder rationalisieren, dann bleiben sie als Energie in unserem Feld hängen und wir werden an dieser Stelle tauber, frieren ein oder kontrahieren uns. Wir beginnen ein Ablenkungsmanöver, um diese Stelle nicht mehr zu berühren. Fangen an, ein Leben voller Vermeidungen zu führen und wundern uns, wenn es sich unlebendig anfühlt, wir nicht hinwegkommen über Trennung, Verlust oder andere Schicksaalsschläge, wenn wir das Gefühl haben, gar nicht richtig da zu sein. Oder auch, wenn wir uns hilflos angesichts des vielen Leidens fühlen. Diese Vermeidungsstrategie verbraucht zudem unheimlich viel Energie. Sie erschöpft uns.
Wenn wir hingegen durch eine Emotion hindurchgehen, sie bewusst erleben, dann wird sie sich verändern, sich als „Erfahrung“ in unserem System ablegen und uns kompetenter für das Leben machen. Dann erwächst daraus eine Stärke. Dieser Vorgang dauert nicht Jahre sondern eher Stunden oder Minuten. Es ist gut, dabei aufmerksam zu bleiben und sich nicht wegtreiben zu lassen. Ein Gesprächspartner /-in kann eine sehr große Stütze sein, insofern er/sie den Prozess unterstützt und nicht versucht, wegzutrösten oder klein zu reden. Sondern da bleibt und mit Ihnen gemeinsam da durch geht. Als Nebeneffekt fühlen wir uns lebendiger, verbundener mit der Welt, mehr liebend.

Übung | Emotionen fühlen 
• Erforschen Sie, in welchen Situationen Sie sich emotional rausziehen
• Wagen Sie, immer ein Stück präsenter in diesen Situaionen zu bleiben
• Nehmen Sie sich Zeit, Gefühle zu fühlen, auch wenn Sie unangenehm sind
• Das Atmen nicht vergessen – am Besten in den Bauch
• Beobachten Sie, was sich durch diese Praxis verändert

Wenn ich an die Flüchtlingsströme denke, die unser Land tagtäglich erreichen. Hunderte, tausende traumatisierter Menschen, die hier Fuß fassen wollen, dann braucht es dies. Ebenso wenn wieder ein Terrorattentat eine Nation in Angst und Schrecken versetzt oder ein Virus tausende von Menschen tötet. Dann brauchen wir Menschen wie Sie und ich, die den Anblick ertragen können und starke Emotionen als Bestandteil des Lebens sehen.
Ich behaupte, die Kompetenz, mit den Krisen unserer Welt umzugehen und sie zu beheben, hängt stark damit zusammen, wie sehr wir in der Lage sind, sie zu integrieren. Und zwar ganzheitlich: mit Körper, Geist und Emotion. Da, wo wir uns nicht mehr wegdrehen sondern stehen bleiben mit all dem, was ist, beginnen Veränderung und Heilung.

Wenn Sie sich für das Thema interessieren bzw. austauschen möchten, dann schicken Sie mir doch eine kurze E-Mail.

Ihre Constanze Fries
c.fries@walterfries.de


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