IHK ZEITSCHRIFT | FINANZPLANUNG 2014 – CHANCEN NUTZEN UND RISIKEN BEHERRSCHEN

Beratung 21. November 2013

Ohne ausreichende Liquidität kann das beste Unternehmen nicht überleben. Diese einfache Weisheit wird in der Praxis jedoch nicht immer ausreichend berücksichtigt. Dies gilt insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen, weil dort das Wissen und die Kapazität für die Umsetzung einer professionellen Finanzplanung meist fehlen.

Vielen Unternehmern ist hierbei nicht bewusst, welche Möglichkeiten eine integrierte Finanzplanung bietet: Sie verbindet die Gewinn- und Verlustplanung mit der Liquiditäts- und Bilanzplanung. Mit ihr werden die Abhängigkeiten und Risiken innerhalb eines Unternehmens aufgezeigt und sind dadurch steuerbar. Sie stellt die Standortbestimmung der eigenen Unternehmensfinanzierung dar und erleichtert die Kommunikation mit Kapitalgebern. Hierbei hat sich ein Planungsturnus von drei Jahren bewährt. In einem komplexen, sich immer schneller verändernden Umfeld ist es jedoch sinnvoll, eine unterjährige Kontrolle bzw. Anpassung vorzunehmen. Moderne Planungssoftware ermöglicht eine einfache und verständliche Darstellung der Zahlenwelt in Echtzeit, so das auf Veränderungen des Marktes flexibel und zeitnah reagiert werden kann.

Unternehmen in Gedanken entstehen lassen

Bevor sich Unternehmensentwicklungen in der Realität zeigen, sind sie im Kopf des Unternehmers entstanden. Je nachhaltiger überlegt wird, desto größer ist die Chance die avisierten Ziele auch zu erreichen. In Unternehmen mit flachen Hierarchien wird das gesamte Team eingeladen sich in die Planung der Zukunft mit einzubringen. Dies ermöglicht, dass die Mitarbeiter sich in den Zielen wiederfinden und sich engagiert dafür einsetzen.
Der Blick in die Glaskugel ist sicherlich nicht einfach und Entwicklungen, die Geschäftsmodelle ganzer Branchen in Frage gestellt haben, sind uns allen bekannt. Insofern sind Planungen immer mit viel Risiko verbunden. Die Fokussierung auf bestimmte Ziele wird ihre Wirkung jedoch nicht verfehlen. Die Erfahrung zeigt, dass Unternehmen, die regelmäßig planen, die besseren Unternehmen sind und in der Krise auch besser abschneiden.
Der Weg in eine geschlossene Planung
Erster Schritt: Planung Umsatz
Der Gewinn entwickelt sich aus den Umsätzen abzüglich der Kosten und Abschreibungen. Während ein Großteil der Kosten noch gut planbar ist, stellt die Umsatzplanung in aller Regel das erste große Problem dar. Vielseitige Abhängigkeiten – angefangen vom Wareneinsatz bis hin zum Personal und dem Marketing – fließen in die Planung mit hinein. Es macht Sinn, zwischen sicheren und unsicheren Teilen der Planung zu differenzieren. Idealerweise sollte eine Gewichtung der Umsatzteile erfolgen, die bereits fest vereinbart sind.
Zweiter Schritt: Planung Kosten
Der Wareneinsatz korrespondiert mit dem Warenbestand. Zum einen ist der Wareneinkauf preislich zu optimieren. Zum anderen spielt auch die permanente Produktionsbereitschaft eine wichtige Rolle. Das bedeutet: so viel Einkauf wie nötig, aber so wenig Einkauf wie möglich. Denn der Warenbestand bindet viel Liquidität. Für die Betriebskosten empfiehlt es sich, für jede Position eine Checkliste anzulegen und die vertraglichen Grundlagen festzuhalten (Mietvertrag mit Parametern, Versicherungsverträge, Leasingverträge, Kfz-Kosten mit Fahrzeugen und Laufleistungen etc.).
Dritter Schritt: Planung Unternehmensgewinn
Aus den nunmehr transparenteren Umsätzen, den entsprechenden Betriebskosten sowie Abschreibungen und Finanzierungskosten ergibt sich die wahrscheinliche zukünftige Ergebnisentwicklung. Diese stellt die Basis für die nachfolgende Cash-Flow und Liquiditätsplanung dar.
Vierter Schritt: Cash-Flow- bzw. Liquiditätsplanung
Liquidität ist nicht alles. Aber ohne Liquidität ist alles nichts. Auf Basis der vorhergehenden Planungen werden nun die Zahlungseingänge und die Zahlungsausgänge zeitlich geplant. Hier wird festgelegt, wann Rechnungen von Kunden beglichen werden und wann das Unternehmen eine Rechnung bezahlen muss. Es ist darauf zu achten, dass die Zahlungsfähigkeit immer gegeben ist, um Engpässe und Probleme zu vermeiden. Wenn bereits ein Liquiditätsengpass vorliegt, ist es schwerer an liquide Mittel zu kommen, als wenn man sich rechtzeitig vorher darum kümmert.
Es empfiehlt sich eine Liquiditätsreserve zu halten. Sie bildet sich aus den eigenen flüssigen Mitteln sowie der Kreditlinie bei Kapitalgebern. Die Faustregel sieht vor, dass die Reserve für drei Monate ausreichen sollte.
Fünfter Schritt: Bilanzplanung (Bilanz der Zukunft)
Im Rahmen der Bilanzplanung werden die Entwicklungen der einzelnen Bilanzpositionen geplant. Die bereits durchgeführte Liquiditäts- und GuV-Planung wird durch die Planung der Investitionen und des Anlagevermögens ergänzt. Die Passivseite (Finanzierung) zu strukturieren – und zwar in Eigenkapital und langfristiges Fremdkapital sowie die kurzfristigen Finanzierungsmöglichkeiten – entscheidet oft über die Zukunft des Unternehmens.
Die Strukturen und deren Veränderungen werden in der Planbilanz und in der Kapitalflussrechnung (Cash Fow) dargestellt. Finanzierungsbedarf entsteht auch durch Rückzahlungsverpflichtungen einzelner Positionen der Passivseite.
Steuerungsinstrumente der Unternehmensfinanzierung
Die Finanzierung durch Eigenkapital und langfristiges Fremdkapital, die höher ist als das Anlagevermögen, dient der dauerhaften Mitfinanzierung des Umlaufvermögens (Working Capital). Dadurch kommt Ruhe in die Unternehmensfinanzierung. Dies umso mehr, wenn die langfristigen Mittel zum großen Teil aus Eigenkapital bestehen. Die Eigenkapitalquote zur Bilanzsumme ist ein wesentlicher Beurteilungsfaktor bezüglich der Bonität des Unternehmens. Die erfolgreiche Umsetzung der Finanzierung ist geprägt vom Vertrauen zu den Finanzierungsinstituten.
Planung 2014
Der Finanzpublizist Heinz Brestel sagte über die Finanzplanung: „Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen ganzen Monat für Geld zu arbeiten.“
Viele Unternehmen nutzen die Gelegenheit des Jahreswechsels oder der häufig noch ruhigen Januartage, um sich der Planung des kommenden Jahres zu widmen.Bei komplexeren Planungen zahlt es sich aus, einen Unternehmensberater mit Schwerpunkt Finanzen zu Rate zu ziehen.

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Autor: Walter Fries, WALTER FRIES Unternehmensberatung, Aschaffenburg www.walterfries.de

 

 


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