Kapital sucht Innovation

Beratung 8. März 2007

Zukunftsmagazin Z! – Ausgabe März 2007

Die Entwicklung einer innovativen Idee darf in ihrer Umsetzung nicht an der Finanzierung scheitern.

Deutschland ist ein rohstoffarmes Land, d.h. um international wettbewerbsfähig zu bleiben sind wir alle auf die Entwicklung innovativer Ideen und Technologien angewiesen, die den Standort Deutschland sichern und hochwertige Arbeitsplätze schaffen. Motor hierfür sind junge technologieorientierte Unternehmen.

Doch die Finanzierung früher Unternehmensphasen, sog. Early Stage und Start-Up, wird von den privaten Venture Capital-Gebern aufgrund des aus ihrer Sicht schlechten Rendite-Risiko-Verhältnisses nach wie vor gemieden. Kapitalinvestitionen von Private Equity finden in Deutschland nur in späteren Unternehmensphasen bei Unternehmen mit stabilem Cash-Flow statt.

Öffentliche VCs springen in diese Bresche und besetzen dieses Marktsegment der Finanzierung fast ausschließlich. Sie stellen diesen jungen Unternehmen, die neue Produkte und Technologien entwickeln und vermarkten wollen, Beteiligungskapital zur Verfügung. Kapitalgeber sind sowohl der Bund als auch die Länder.

Exemplarisch für Unternehmensgründer in Bayern sei der Seedfonds Bayern (www.bayernkapital.de) genannt, der sich bei jungen Technologieunternehmen in der Rechtsform der Kapitalgesellschaft mit Sitz in Bayern als Minderheitsgesellschafter beteiligt, ohne sich im Management zu engagieren. Der Seedfonds Bayern wir von der BayernKapital in Landshut gemanagt und beteiligt sich grundsätzlich nur in Kooperation mit einem bei der BayernKapital akkreditierten Coach, der eine branchen- und managementbezogene Unterstützung leistet. Für die Region Mainfranken und bayerischer Untermain ist die Walter Fries Unternehmensberatung (www.walterfries.de) aus Aschaffenburg Coach und erster Ansprechpartner für die Beantragung dieser Gelder.

Der Seedfonds Bayern investiert im allgemeinen aber nicht alleine, sondern in der Regel mit dem Kooperationspartner High-Tech Gründerfonds (www.hightechgruenderfonds.de), der im Rahmen der bundesweiten Initiative „Partner für Innovationen“ gemeinsam mit der Wirtschaft gegründet wurde. In der Seedphase sollen Unternehmensstrukturen aufgebaut und erste Verfahren und Produkte entwickelt werden, um mit den Ergebnissen dann weitere Kapitalgeber für das Unternehmen zu gewinnen.

In der Gründungsphase werden bis zu 600.000 Euro zur Verfügung gestellt, eine Folgefinanzierung bis zu 900.000 Euro ist darüber hinaus möglich. Das Geld wird als Kombination aus offener Beteiligung (Beteiligung in Höhe von 18 % am Stamm-/Grundkapital) und Nachrangdarlehen als mezzanine Finanzierung eingebracht. Von den Gründungsgesellschaftern ist ein Eigenkapital von max. 80.000 Euro einzubringen.

Was ist Mezzanine-Kapital?

Mezzanine-Kapital ist eine Finanzierungsform zwischen Fremd- und Eigenkapital. Unter diesem Oberbegriff werden verschiedene, hybride Finanzierungsinstrumente zusammengefasst, die Elemente von Fremd- und Eigenkapital vereinen. Je nach vertraglicher Ausgestaltung kann zwischen eigenkapitalnahem Mezzanine („equity mezzanine“) und fremdkapitalnahem Mezzanine („debt mezzanine“) differenziert werden. Equity Mezzanine verbessert die Eigenkapitalquote und damit das Rating bei den Hausbanken, die Finanzierungskosten können somit tendenziell durch bessere Konditionen gesenkt werden.

Typische Attribute des Eigenkapitals sind die Haftung in Höhe der Einlage, die Mitwirkungs- und Kontrollrechte an der Geschäftsführung sowie eine erfolgsabhängige Verzinsung, die nicht steuerlich abzugsfähig ist. Dagegen besteht das „klassische Fremdkapital“ aus einer zeitlich begrenzten, schuldrechtlichen Verbindung zwischen dem Unternehmen und dem Kapitalgeber. Charakteristisch sind ein fixer Rückzahlungsanspruch des Kreditbetrages sowie ein geringerer, fest vereinbarter Zinssatz (derzeit zwischen 5 und 8 Prozent). In der Regel werden Fremdfinanzierungen mit Kreditsicherheiten hinterlegt, etwaige Mitbestimmungsrechte bestehen jedoch nicht.

Öffentliches Venture Capital als Eigenmittel

Durch die Vereinbarung eigenkapitaltypischer Rechte und Pflichten, z.B. Nachrang im Insolvenzfall, sind der High-Tech-Gründerfonds und der Seedfonds Bayern unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten zu den Eigenmitteln im Unternehmen zu zählen.

Für die Übernahme dieses Risikos erhalten High-Tech Gründerfonds und die Bayernkapital eine Verzinsung auf die Nachrangdarlehen in Höhe von 10% und damit deutlich unter den Konditionen privater VC-Geber. Die offene Beteiligung wird nicht verzinst, hier wird von den Kapitalgebern ein Return on Investment durch die Partizipation an der Steigerung des Unternehmenswertes erwartet.

Im Gegensatz zu „echtem“ Eigenkapital entfallen beim Mezzanine-Kapital wesentliche Mitbestimmungsrechte an der Geschäftsführung, weiterhin ist die Vertragslaufzeit zeitlich auf sieben Jahre für die Nachrangdarlehen befristet. Sowohl Existenzgründern als auch etablierten Unternehmen helfen Mezzanine Finanzierungsinstrumente, die finanzielle Flexibilität im Unternehmen zu erhöhen, ohne Stimmrechtsverhältnisse zu ändern und damit die unternehmerische Unabhängigkeit zu verlieren

Die Mittel sind zwar mit höheren Kostenmargen gegenüber klassischem Fremdkapital behaftet, dennoch bieten sie durch die Unbesicherung und gewinnabhängige Verzinsung eine gute Finanzierungsalternative, so dass jungen Unternehmen, die eine innovative Idee mit nachhaltigen Alleinstellungsmerkmalen und Wettbewerbsvorteilen in einem Wachstumsmarkt aber zu wenig Eigenkapital haben, diese Idee realisieren können.

Finanzierungsbeispiele

Nachfolgend seien zwei Beispiele für eine Existenzgründung über eine traditionelle Mezzanine-Kapital Finanzierung sowie über eine Innovationsfinanzierung vorgestellt:

Beispiel 1: Klassische Existenzgründung

Das folgende Beispiel basiert auf den Planzahlen einer Existenzgründung, bei welchem drei Finanzierungskonzepte einander gegenübergestellt werden. Eine analoge Vorgehensweise ist bei Wachstumsinvestitionen denkbar:

• Fall 1: Finanzierung wird ausschließlich über Mezzanine-Kapital dargestellt
• Fall 2: Finanzierung erfolgt ausschließlich über Fremdkapital
• Fall 3: Mischfinanzierung zwischen Mezzanine – und Fremdkapital

Von 100.000 € Investitionsvolumen legt der Existenzgründer 15.000 € an Eigenmittel ein. Mit Hilfe des KfW Unternehmerkapitals für Gründung können die Eigenmittel des Gründers auf 40% der förderfähigen Investitionen aufgestockt werden. Da die Investitionen die KfW-Kriterien erfüllen, können 25.000 € in der Finanzierung berücksichtigt werden. Das Darlehen ist nachrangig und wird ohne Sicherheiten ausgegeben.

Als zweite öffentliche Finanzierungsform soll eine stille Beteiligung einer öffentlichen Beteiligungsgesellschaft zur Finanzierung der Investitionen herangezogen werden. Da diese nur in der Höhe des bereits vorhandenen Eigenkapitals – neben bilanziellem Eigenkapital werden auch eigenkapitalähnliche Mittel berücksichtigt – ausgereicht wird (sog. Eigenkapitalparität), wurde im Umfeld des Gründers ein Investor gefunden, der sich atypisch still mit 10.000 € beteiligte und somit die Eigenkapitalbasis ohne die stille Beteiligung auf 50.000 € erhöhte. Somit ist eine stille Beteiligung über 50.000 € möglich, der Finanzierungsbedarf von 100.000 € ist mit 75.000 € aus öffentlichen Finanzierungsmitteln gedeckt.

Im zweiten Fall wird zur Finanzierung anstelle der öffentlichen Mittel ein Annuitätendarlehen einer Bank i.H.v. 75.000 € herangezogen, im Fall 3 der Mischfinanzierung ersetzt ein Annuitätendarlehen i.H.v. 50.000 € die stille Beteiligung.

Die untenstehende Tabelle stellt die Bilanz des Existenzgründers zum Zeitpunkt der Unternehmensgründung dar. Die Aktivseite der Bilanz zeigt hierbei die bis dato getätigten Investitionen. Auf der Passivseite werden die erläuterten Finanzierungskonzepte gegenübergestellt.

Unter der Tabelle wird die Eigenkapitalquote der Bilanz zum Zeitpunkt der Kapitalaufnahme sowie der Kapitaldienst, den das Unternehmen im ersten Jahr sowie insgesamt zu leisten hat, betrachtet.
tabelle01
Da im ersten Fall vollkommen auf die Finanzierung über Fremdkapital verzichtet wurde, hat das Unternehmen eine Eigenkapitalquote von 100% gegenüber von 25% bei der Bank- und 50% bei der Mischfinanzierung. Je besser die Eigenkapitalquote ist, desto leichter wird es für das Unternehmen in der Zukunft sein, Fremdkapitalmittel von Banken zu erhalten.

Der Kapitaldienst ist die Summe von Zins und Tilgungszahlungen, die ein Unternehmen leisten muss. Insgesamt ist der Einsatz von mezzaninen Finanzierungsinstrumenten zwar in der Summe (Kapitaldienst insgesamt) teurer als bei einer Fremdkapitalfinanzierung. Dies liegt jedoch nicht nur an den höheren Zinsen der mezzaninen Darlehen, sondern auch an der endfälligen Tilgung der Darlehen, so dass das Kapital dem Unternehmen länger zur Verfügung steht als bei der Bankfinanzierung. Dieser Vorteil zeigt sich bei der Betrachtung des zu leistenden Kapitaldienstes im ersten Jahr: während bei der reinen Fremdkapitalfinanzierung 10.890 € an Zins- und Tilgungszahlungen zu leisten sind, muss das Unternehmen bei der Finanzierung über Mezzanine Kapital lediglich 4.050 € aufwenden. Da es gerade zu Beginn der Unternehmensgründung häufig schwierig ist, Cash-Flows zu erwirtschaften, ist dieser niedrige Kapitaldienst ein deutlicher Wettbewerbsvorteil gegenüber bankfinanzierten Konkurrenten.

Fraglich ist, ob eine Bank dem Unternehmen überhaupt Fremdkapital in der in Fall 2 dargestellten Höhe zur Verfügung stellen würde. Das im Fall 1 dargestellte Finanzierungskonzept wurde durch die Unternehmensberatung Walter Fries über die Hausbank des Existenzgründers bei der KfW und der öffentlichen Beteiligungsgesellschaft eingereicht und genehmigt.

Beispiel 2: Innovationsfinanzierung

Mehrere Gründer haben eine innovative Idee im Medizinisch-technischen Bereich. Das Produkt hat einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil gegenüber den bisher am Markt vorhandenen Systemen, es werden in den nächsten Jahren zweistellige Wachstumsraten im Marktpotential erwartet. Das Produkt könnte in einigen Jahren in den Massenmarkt etabliert werden.

Die Gründer haben das technische und kaufmännische Know-how und sind motiviert, die Produktentwicklung voranzutreiben, verfügen aber weder über das Eigenkapital noch über ausreichende Sicherheiten, die Entwicklung aus eigenen Mitteln finanzieren zu können.

Die Ausgaben werden auf 680 T€ beziffert und betreffen neben der notwendigen Laborausstattung insbesondere Personalkosten und sonstige Betriebskosten.

Der Finanzierungsbedarf kann bei einer Gründung in Bayern durch den High-tech Gründerfonds in Verbindung mit dem Seedfonds Bayern dargestellt werden, vorausgesetzt, dass mit der Seedfinanzierung ein Proof of Concept und ein erster Prototyp erreicht werden können.

tabelle02
Nach erfolgreichem Unternehmensaufbau und der Entwicklung der Technologie bis zum ersten voll funktionsfähigen Prototypen werden soll die Markteinführung über eine Anschlussfinanzierung mit Venture Capital dargestellt werden.

Autor:
Senior Berater Claus Barthold, WALTER FRIES Unternehmensberatung Aschaffenburg
Coach des Seedfonds Bayern und Spezialist für Eigenkapital- und Mezzanine-Finanzierungen.


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